Web Content Anzeige

Der Blick in die Geschichte des Fernlernens

Das moderne Fernstudium geht bei genauerem Hinsehen bereits auf die Antike und das Mittelalter zurück. Schon Platon wollte die Ideen seines berühmten Lehrers Sokrates schriftlich für die Nachwelt festhalten, damit war die schriftliche Aufzeichnung zur Vermittlung von Wissen geboren. Mussten Wissbegierige in der Spätantike und im Mittelalter die Abschriften der berühmten Gelehrten noch in den altehrwürdigen Bibliotheken düsterer Kloster studieren und sich dabei den Bedingungen der Fürsten und Äbte unterwerfen, wurden einige der berühmtesten Briefe des Neuen Testaments des Apostels Paulus durch Boten vermittelt, die einen fortwährenden Briefwechsel durch die Überbringung der schriftlichen Lehrstücke überhaupt erst ermöglichten. Genau genommen geht der moderne Fernunterricht in Form von schriftlichen Studienbriefen auf den Apostel Paulus als Patron und Initiator zurück.

Zum Ende des 19. Jahrhundert entwickelte sich die Fernlehre zu einer Variante der Weiterbildung für Frauen, die zum damaligen Zeitpunkt nicht studieren durften. Der Fernunterricht wurde mit Hilfe von Briefwechseln zwischen Privatleuten initiiert. Die erste Hochschule, die den Abschluss eines Fernstudiums ermöglichte, wurde im Jahr 1883 in den USA gegründet. Der Staat New York erkannte damals den Abschluss an der Chautauqua College of Liberal Arts offiziell als Studienabschluss an.

In Deutschland geriet die Fernlehre erstmals im Jahr 1913 in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Das Rustinische Lehrinstitut für Selbstunterricht war bis zum Anfang der 1960er Jahre die einzige Institution, die offiziellen Fernunterricht anbot. Im Jahr 1967 startete das Bundesland Bayern eine interessante Alternative, die Mittlere Reife über ein pädagogisches Fernsehprogramm zu erlangen. Das multimediale Telekolleg war einer der Vorläufer des heutigen digitalen Studiums, das mehr und mehr auf das Internet als Medium zur Wissensvermittlung zurückgreift.

Im Jahr 1974 war ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Fernstudiums zu verzeichnen. Die Fernuniversität Hagen war die erste Universität Deutschlands, die ausschließlich auf die Unterrichtung von Fernstudenten in einem akademisch orientierten Studium ausgerichtet war. Durch Kooperationen mit der Stiftung „Universitäre Fernstudien Schweiz" und mit der Johannes Kepler Universität Linz kam es zu einer Verbreitung des Fernstudiums nach dem Hagener Modell bis in die Schweiz und nach Österreich.

Mit der Einführung des Gesetzes zum Schutz der Teilnehmer am Fernunterricht – dem sogenannten Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG) im Januar 1977 wurden die Rechte und Pflichten von Anbietern und Teilnehmern am Fernunterricht erstmals auf ein juristisches Fundament gestellt. Danach muss jeder Lehrgang staatlich zugelassen werden, der in der Fernlehre angeboten wird. Auch greifen fundierte Informations- und Vertragspflichten für jeden Lehrgang. Moderne Formen des E-Learnings fallen ebenfalls unter die Regelungen des Fernunterrichtsschutzgesetzes.

Die zuständige Behörde für die Erteilung von Zulassungen ist die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht, kurz ZFU genannt. Die Institution mit Sitz in Köln wurde im Februar 1978 durch den Staatsvertrag über das Fernunterrichtswesen ins Leben gerufen. Dieser Staatsvertrag gilt für alle Bundesländer. Die ZFU ist verantwortlich für die Zulassung der zulassungspflichtigen Fernlehrgänge. Sie überprüft den Bestand der Zulassungsvoraussetzung in regelmäßigen Abständen, und sie registriert nicht-zulassungspflichtige Fernseminare, die nur der Freizeitgestaltung dienen. Darüber hinaus veröffentlicht die Institution den jährlichen „Ratgeber für Fernunterricht" und ein Verzeichnis der zugelassenen Fernlehrgänge mit den zugehörigen Instituten. Das Informationsmaterial der ZFU ist somit eine wichtige Datenquelle für Interessenten, die über den Beginn eines Fernstudiums nachdenken.

Der letzte Meilenstein in der Geschichte der Fernlehre dürfte bis heute in der digitalen Revolution zu sehen sein. Das Internet hat auch im Bildungswesen Einzug gehalten und vereinfacht die Kommunikation zwischen der Bildungseinrichtung, dem Dozenten, den Kommilitonen und dem Studierenden. Fernunterricht wird auf dem Weg des E-Learnings, als Apps, als Webinare, im Chat oder als Online-Campus vermittelt. Diese interaktive Form des Lernens konnte letztlich sogar die Abbruchquote in der Fernlehre reduzieren, die traditionell als eines der größten Probleme des Fernstudiums gilt.