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Sensemaking-Ansatz/ Konstruktivistisches Management (Weick)

Wir werden ständig mit Erlebnissen konfrontiert, die wir sinnlich wahrnehmen, registrieren und versuchen in sinnvolle Einheiten zu ordnen. Sinnstiftung (sensemaking) beschreibt diesen Prozess des (Ein-)Ordnens eines zunächst ungeordnet auf dem Menschen einwirkenden Erlebnisstroms.
Abhängig von den individuellen Vorstellungen und Erfahrungen des Einzelnen, kann sich für Menschen, die mit demselben Ereignis und denselben Erlebnissen konfrontiert werden, ein völlig unterschiedlicher Sinn ergeben und daraus resultierend voneinander abweichende Interpretationen der Geschehnisse. Da Sinnstiftung gewöhnlich extrem schnell abläuft, ist sie als Phänomen nur schwer zu beobachten und wissenschaftlich zu analysieren. Die Gelegenheit dazu bietet sich dann, wenn ein Informationsstrom so unverständlich ist, dass der Prozess der Sinnstiftung verlangsamt wird, weil es den ihm ausgesetzten Personen schwerfällt, die auf sie einströmenden Informationen sinnvoll einzuordnen. Das geschieht beispielsweise in Katastrophensituationen.

Der renommierte amerikanische Organisationspsychologe Karl Edward Weick untersuchte das Sense-Making anhand gut dokumentierter Katastrophen. In all diesen Fällen war es den einer Fülle dramatischer Informationen ausgesetzten Akteuren (Piloten vor einem Flugzeugabsturz, Feuerwehrleuten beim Löschen eines Buschfeuers u.a.) nicht gelungen, in den auf sie einströmenden Informationen einen Sinn zu entdecken. Folglich trafen sie wenig sinnvolle Entscheidungen, handelten scheinbar ohne Sinn und die Katastrophen nahmen ihren Lauf, kosteten einige der Akteure gar das Leben.

Die aus seinen Analysen gewonnenen Erkenntnisse übertrug Weick auf komplexe Organisationen, die er als sinngenerierende Systeme beschreibt. Im Zusammenspiel der Mitglieder von Organisationen ist Sinnstiftung nach Weick ein unablässiger Prozess, der stets im Rückblick erfolgt und eine eigene soziale Realität erzeugt.

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