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24. Februar 2022 | von Anika Rosche

Betriebliches Gesundheitsmanagement: Homeoffice und Präsentismus

Im Betrieblichen Gesundheitsmanagement wird sich auch mit dem Thema Präsentismus beschäftigt – Sie als Personalmanager/in oder Gesundheitsmanager/in kennen dies sicher ebenfalls aus ihrem Alltag. Als Präsentismus bezeichnet man ein Verhalten, wenn Mitarbeitende trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen zur Arbeit erscheinen. Die Ursachen dafür können unterschiedlich sein und von hohem Arbeitsvolumen, Rücksicht auf andere Mitarbeitende über starkes Pflichtgefühl bis zu der Angst vor negativen Konsequenzen herrühren.
Doch wie hat sich dieses Phänomen seit der Pandemie verändert seitdem die Mehrheit der Mitarbeitenden von zu Hause aus arbeitet? Vielerorts freuten sich die Unternehmen, weil die Krankmeldungen ihrer Mitarbeitenden abnahmen. Inzwischen wird dies mehr und mehr hinterfragt. Zwar sind die Krankheitsquoten nachweislich massiv gesunken, weil die sonst üblichen Treiber wie Erkältungen oder Magen-Darm-Erkrankungen zu Zeiten der Pandemie kaum eine Rolle spielten. Doch sind tatsächlich weniger Menschen krank oder wird im Homeoffice häufiger trotz Krankheit gearbeitet?

Denn: Homeoffice hat nicht überall einen guten Ruf. Sabine Voermans, die als Leiterin des Gesundheitsmanagements bei der Techniker Krankenkasse tätig ist, vertritt die klare Meinung, dass Homeoffice nicht ungesünder ist als die Arbeit im Büro. Es geht letztlich um den verantwortungsvollen Umgang damit und mit der eigenen Gesundheit. Durch die Homeoffice-Situation hat sich ein Teil der Verantwortung, beispielsweise für einen ergonomisch ausgestatteten Arbeitsplatz vom Arbeitgeber auf die Mitarbeitenden verschoben. Auch die Grenze zwischen privatem und beruflichem Leben muss aktiv durch die Mitarbeitenden gezogen werden, da sich diese durch den Wechsel aus dem Büro nach Hause im Homeoffice schlichtweg nicht mehr ergibt. Dennoch profitieren Mitarbeitende auf der anderen Seite von vielen Vorteilen, beispielsweise ist die Flexibilität, was die Wahrnehmung privater Termine angeht, deutlich höher. Zudem wird durch die wegfallenden Arbeitswege Zeit gespart, die wiederum in Sport oder gesundheitsfördernde Maßnahmen investiert werden kann. Doch auch hier gilt: die Verantwortung liegt zu großen Teilen bei den Mitarbeitenden. Führungskräfte können sie dabei bestmöglich unterstützen und Hilfestellung geben. Sie sind angehalten – mehr noch als im Büro – auf die Verhaltensweisen und Signale ihrer Mitarbeitenden zu achten und möglichst früh gesundheitsgefährdende Veränderungen einzudämmen. Auch haben viele Unternehmen mittlerweile virtuelle Gesundheitsangebote eingeführt, die ebenfalls zum Thema Präsentismus aufklären und Unterstützung bieten.

Welche Auswirkungen kann es haben, wenn in Unternehmen eine Präsentismus-Kultur vorherrscht? Insgesamt werden die Kosten für Präsentismus ähnlich hoch geschätzt wie die Kosten für Arbeitsunfähigkeit. Werden Krankheiten im Heute verschleppt, kann dies zu späteren und gravierenderen Ausfällen führen, die sich ebenso negativ für die Unternehmen auswirken. Besonders im Büro gilt natürlich: die Ansteckung anderer Mitarbeitender ist eine große Gefahr, die möglichst vermieden werden sollte. Doch auch im Homeoffice können durch Präsentismus Kosten für den Arbeitgeber entstehen, nämlich dann, wenn durch Mitarbeitende aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen Fehler begangen werden, die in gesundem Zustand mit großer Wahrscheinlichkeit nicht entstanden wären.

Es zeigt sich also, dass das Thema Präsentismus auch im Homeoffice-Kontext weiterhin eine Rolle spielt. Für Unternehmen bedeutet dies, dass ein aktives Präsentismus-Absentismus-Management in jedem Fall sinnvoll ist. Denn letztlich ist die Gesundherhaltung der Mitarbeitenden eine wichtige Aufgabe des Arbeitgebers, die auch dessen Zukunftsfähigkeit absichert.

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Anika Rosche
Anika Rosche hat Medienwirtschaft studiert, eine Ausbildung zur Verlagskauffrau absolviert sowie Zertifzierungen als Personal- und Projektmanagerin abgeschlossen. Sie ist Geprüfte Personalmanagerin (DAM) und arbeitet heute als Projekt Manager People & Culture bei einem Medienkonzern (TV).
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