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13. April 2023 | von Anika Rosche

Blick nach Japan – der Nebenjob im Rampenlicht

Sind den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Ihrem Unternehmen Nebentätigkeiten gestattet? In der Regel behält sich in deutschen Arbeitsverträgen der Arbeitgeber vor, dass weitere Tätigkeiten einer Genehmigung bedürfen.

Ähnlich verhielt es sich bislang auch in Japan, das in vielen Aspekten der Arbeitskultur als fortschrittlich gilt. Dort hat die japanische Regierung seit einigen Jahren Initiativen vorangetrieben, die dazu beitragen sollen, dass Nebentätigkeiten von allen Unternehmen geduldet werden. Dies führte in den vergangenen fünf Jahren dazu, dass nun gemeinhin Nebentätigkeiten neben dem Hauptjob erlaubt sind.

Doch warum erfolgt dieser Vorstoß vonseiten der Regierung? Auch die Bevölkerung Japans wird zunehmend älter. Die Menschen leben viel in Städten und auf dem Land fehlen Arbeitskräfte. Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie haben sich mobile Arbeitsmethoden vielerorts etabliert. So ist es Japanern nun einfacher möglich, neben dem Hauptjob eine Nebentätigkeit aus dem mobile office zu erledigen. Und da es auf dem Land und in kleineren Unternehmen an weniger attraktiven Standorten häufig an Fachkräften, z. B. für die Entwicklung einer Marketingstrategie oder Social Media Werbung fehlt, können so zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Für die japanische Regierung steht eine noch größere Vision dahinter. Da die Bevölkerung zunehmend altert, muss die Arbeitstätigkeit bis ins hohe Alter sichergestellt werden. Über Nebentätigkeiten können sich neue Tätigkeitsfelder auftun, die auch bis ins hohe Alter erledigt werden können. Darüber hinaus werden so möglicherweise wertvolle Kontakte geknüpft, die zu einem späteren Zeitpunkt nützlich sein können.

Gleichzeitig wird dem Fachkräftemangel in den ländlicheren Regionen entgegengewirkt. Durch den Druck auf die Unternehmen wird mehr oder weniger sichergestellt, dass das Vorhaben tatsächlich funktioniert. Um das Angebot nutzbar zu machen, werden entsprechende Jobportale für Nebentätigkeiten im Internet zur Verfügung gestellt. Aktuell haben ca. ein Zehntel aller Arbeitnehmer einen weiteren Job.

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Anika Rosche
Anika Rosche hat Medienwirtschaft studiert, eine Ausbildung zur Verlagskauffrau absolviert sowie Zertifzierungen als Personal- und Projektmanagerin abgeschlossen. Sie ist Geprüfte Personalmanagerin (DAM) und arbeitet heute als Projekt Manager People & Culture bei einem Medienkonzern (TV).
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