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20. Oktober 2022 | von Anika Rosche

Der Einfluss des Personalmanagements auf Risiken

Würden Sie sich als risikofreudig beschreiben? Und wie sehen Sie Ihre Rolle als HR Managerin im Unternehmen – sehen Sie sich in einer Position, die den Risiken des Unternehmens proaktiv begegnet? Die meisten würden zumindest die letztere Frage wohl verneinen. Denn im Rahmen einer Festanstellung ist man eher selten in der Position, in Gänze und mit allen Konsequenzen Risiken begegnen zu müssen. Auch das persönliche Risikoverhalten ist nicht ausschließlich situationsabhängig, sondern fest in unserer Persönlichkeit verankert, bestimmt durch Alter, Erfahrungen, kulturelle Rahmenbedingungen, Herkunft etc.

Insgesamt steht das Personalmanagement wohl weniger im Ruf, ein besonders risikoaffiner Job zu sein. Doch haben Sie einmal darüber nachgedacht was wäre, wenn das Personalmanagement nicht gewisse Risiken auf sich nehmen würde, wie es dann um Ihr Unternehmen stünde? Planen Sie beispielsweise die Umstellung des Arbeitszeitmodells auf Vertrauensarbeitszeit, erscheint dieses auf den ersten Blick wie eine eher administrative Aufgabe. Doch dies trifft den Kern der Sache nicht annähernd. Es besteht das Risiko, dass langjährige Führungskräfte einen Kontrollverlust fürchten. Auf der anderen Seite fordert der Kandidatenmarkt vermutlich flexiblere Modelle, sodass Sie bei der Beibehaltung des aktuellen Modells Gefahr liefen, wichtige Positionen nicht besetzt zu bekommen. Ein Zukunftsrisiko für Ihr Unternehmen. Sie sehen also, Risiken lauern überall und müssen sorgsam abgewogen werden. Denn Veränderung – die unweigerlich ein großer Teil der Personalarbeit ist – bringt immer Risiken mit sich. Und genau diese Risiken nicht einzugehen, kann die größte Gefahr für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen werden. Denn der Wettbewerb schläft nicht und entwickelt sich ebenfalls weiter. Deshalb ist ein wichtiger Teil zukunftsfähiger Unternehmensführung, dass das Personalmanagement frühzeitig einbezogen und ihm Gestaltungsfreiheit eingeräumt werden muss.

Ein weiterer Punkt in Bezug auf Risikofreudigkeit aus der Risikoforschung ist ebenfalls von Bedeutung: Der Mensch geht eher Risiken ein, wenn die möglicherweise resultierenden negativen Konsequenzen überschaubar und akzeptabel sind. Um riskante Vorgehensweisen zu minimieren wäre es also naheliegend, nur denjenigen Entscheidungsbefugnisse einzuräumen, die auch die negativen Folgen ihrer Entscheidungen treffen würden. Dies ist bei den Mitarbeitenden im Personalmanagement jedoch eher selten der Fall. Hier ist eine Ansatzmöglichkeit für das Personalmanagement eher, Anreize zu schaffen und Konzepte umzusetzen, die dazu beitragen, dass verantwortungsbewusst und mit Weitblick gehandelt wird statt auf die persönliche Provision oder ein eigenes kurzfristiges Ziel ausgerichtet.

Eine weitere gute Möglichkeit zur Risikostreuung (auch innerhalb der Personalabteilung) ist das Beenden des Silodenkens. Dabei kann das Personalmanagement proaktiv unterstützen: Hoheitswissen vermeiden, verschiedene Disziplinen zum Austausch anregen, interdisziplinäre und heterogen aufgestellte Teams bilden und dadurch Risiken aus verschiedensten Blickwinkeln betrachten, beurteilen und behandeln sind alles Felder, die durch das Personalmanagement in den verschiedenen Unternehmensbereichen angeregt und umgesetzt werden können. Auf diesem Weg können Unternehmen resilienter gemacht und besser auf die zukünftig anstehenden Risiken vorbereitet werden.

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Anika Rosche
Anika Rosche hat Medienwirtschaft studiert, eine Ausbildung zur Verlagskauffrau absolviert sowie Zertifzierungen als Personal- und Projektmanagerin abgeschlossen. Sie ist Geprüfte Personalmanagerin (DAM) und arbeitet als HR Director Holding.
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