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28. April 2022 | von Elmar Stein

Der Probearbeitstag

Der Weg für Bewerberinnen und Bewerber und Unternehmen von der Stellenausschreibung, über den Eingang der Bewerbung, die Vorauswahl geeigneter Personen für eine ausgeschriebene Stelle, die Einladung zum ersten und gegebenenfalls zweiten Bewerbungsgespräch und dem damit verbundenen gegenseitigen Kennenlernen bis zu den Verhandlungen über Einzelheiten des Arbeitsvertrages ist lang. Innerhalb dieses Prozesses haben beide Seiten oft ausreichend Zeit sich gegenseitig kennenzulernen und einschätzen zu können. Vor allem für das Unternehmen ist es dabei wichtig herauszufinden, ob die Bewerberin bzw. der Bewerber die geeigneten Kompetenzen, Qualifikationen und Erfahrungen sowie Motivation hat um die Aufgaben in der ausgeschriebenen Position erfolgreich umsetzen und damit einen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten zu können. Letztendlich geht es auch um die Frage, ob die Bewerberin bzw. der Bewerber sein / ihr Gehalt wert ist. Gesagt, erzählt und vorgetragen in Vorstellungsgesprächen ist sehr schnell sehr viel von Bewerberinnen und Bewerbern über Qualifikationen, Erfahrungen, Kompetenzen und Fähigkeiten. Kein Geheimnis ist allerdings, dass sehr viele Bewerberinnen und Bewerber sich gerne (deutlich) besser darstellen, als es der Wahrheit entspricht. Sie als Personaler bzw. als Unternehmen haben die Verantwortung herauszufinden, welche Fähigkeiten, Kompetenzen und Erfahrungen der Bewerber bzw. die Bewerberin wirklich hat. Ein Probearbeitstag bietet sich hierfür an. Dieser ist übrigens auch für die Bewerberin bzw. den Bewerber hilfreich, denn auch Sie als Unternehmen können Abweichungen zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der Vision, Mission und der täglichen Umsetzung der Arbeit haben.

Zentral für die Planung eines Probearbeitstages ist, dass alle relevanten Arbeitsaufgaben abgedeckt werden und der Bewerber bzw. die Bewerberin auch potentielle Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen sowie Vorgesetzte kennenlernt und einen tieferen Einblick in deren Arbeitsalltag bekommt. Je nach Position der ausgeschriebenen Stelle kann es auch erforderlich sein, potentiellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedene Bereiche und Abteilungen des Unternehmens vorzustellen. Für verschiedene Positionen und Tätigkeiten sind daher gezielte Planungen notwendig und müssen im Vorfeld gut durchdacht werden. Relevant ist vor allem zu klären welche Kernkompetenzen für eine Position essentiell sind und wie diese möglichst schnell bei einer Bewerberin oder einem Bewerber durch welche Aufgaben, Tätigkeiten oder Beobachtungen herausgefunden werden können. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil es für viele Positionen verschiedene Tätigkeitsfelder gibt, die innerhalb eines Probearbeitstages am besten alle in vertiefter Weise herauszufinden sind. Je nach Möglichkeit muss berücksichtigt werden, ob potentielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einem Probearbeitstag eher Standardaufgaben und damit alle die gleichen Aufgaben bearbeiten sollen oder ob die gerade täglich anfallende Arbeit zu erledigen ist. Wichtig zu bedenken dabei ist, ob Bewerberinnen und Bewerber stärker vergleichbar sein sollen – durch standardisierte Aufgaben – oder aber ob der Arbeitsalltag stärker in den Vordergrund gerückt werden sollte. Wichtig ist auch, dass nach dem Probearbeitstag eine Bewertung der Kompetenzen, Fähigkeiten und Ergebnisse aus den einzelnen Bereichen erfolgt. Diese kann dann für den weiteren Verlauf der Bewerbung genutzt werden. Bei einer positiven Entscheidung für die Kandidatin bzw. den Kandidat kann die Bewertung des Probearbeitstages ebenfalls dazu genutzt werden, erste Schritte der Personalentwicklung einzuleiten. Im Fokus hierbei sollte dabei stehen, welche Kompetenzen und Fähigkeiten in der ersten Zeit besonders weiterentwickelt werden sollten, damit noch  bessere Arbeitsergebnisse erreicht werden können.

Elmar Stein
Elmar Stein promoviert derzeit im Bereich systemisch-strategisches Personalmanagement. Er hat einen amerikanischen Master in Human Resource Management (mit Schwerpunkt Organisationsstrategie) und ist Gymnasiallehrer (für Englisch und Politikwissenschaften). Er ist Absolvent der DAM im Lehrgang Geprüfte/r Personalmanager/in.
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