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13. Juli 2023 | von Anika Rosche

Ein Phänomen unserer Zeit: Rage applying

Es scheint, als jage auf dem Arbeitsmarkt derzeit ein Trend den nächsten. Nicht ganz so neu, aber dennoch mit einem entsprechend angloamerikanisch anklingenden Namen ist das rage applying. Wie schon beim quiet quitting ist dieses Phänomen ein Ausdruck der Unzufriedenheit mit dem aktuellen Arbeitgeber. Aber anders als beim quiet quitting wird hier nicht die eigene Arbeitsleistung abgesenkt, sondern die Aktivität in Richtung neuer Arbeitgeber gelenkt. Der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin schickt – manchmal sogar wahllos – Bewerbungen an zahlreiche andere Arbeitgeber. Gerade in wirtschaftlichen Krisen wie aktuell drücken Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf diese Weise ihren Frust und ihre Wut über die aktuelle Situation aus.

Inwieweit sind Auswirkungen dieses Phänomens zu erwarten? Sicherlich steht es jedem Arbeitnehmer und jeder Arbeitnehmerin frei, sich bei Unzufriedenheit bei anderen Arbeitgebern zu bewerben. Jedoch gilt auch hier, dass Augenmaß und Angemessenheit sinnvoll sein sollten, da ein wahlloses Versenden von Bewerbungen kaum zu Erfolg, geschweige denn zu höherer Zufriedenheit führt. Tatsächlich sind die Aussichten auf einen neuen Arbeitsplatz aktuell sehr gut, da wir uns in einem Bewerbermarkt befinden und die meisten Arbeitgeber händeringend nach neuem Personal suchen. Zudem sind die Chancen, bei einem Jobwechsel ein höheres Gehalt zu erlangen, deutlich höher als die üblichen Gehaltssprünge beim Verbleiben im bisherigen Unternehmen. Für Arbeitgeber ändert dieses Phänomen im Grunde genommen nichts – dass Motivation und ein wertschätzender Umgang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern elementar sind, sollte mittlerweile in jeder Führungsetage bekannt sein. Arbeitgeber sollten sich vergegenwärtigen, dass es deutlich günstiger ist, gutes Personal zu halten als neues gewinnen zu müssen – insbesondere in der aktuellen Situation.

Von daher ist wünschenswert, dass von Arbeitgeberseite die Anstrengungen vergrößert werden, um die Unzufriedenheit und Frustration der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verhindern oder zumindest möglichst gering zu halten.

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Anika Rosche
Anika Rosche hat Medienwirtschaft studiert, eine Ausbildung zur Verlagskauffrau absolviert sowie Zertifzierungen als Personal- und Projektmanagerin abgeschlossen. Sie ist Geprüfte Personalmanagerin (DAM) und arbeitet heute als Projekt Manager People & Culture bei einem Medienkonzern (TV).
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