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29. Dezember 2022 | von Elmar Stein

Mit prädiktivem Personalcontrolling nach vorne schauen

Heutzutage werden in Sekunden mehr Daten gesammelt wie noch vor einigen Jahren im Monat. Es besteht zudem die Möglichkeit, diese Daten automatisch und immer schneller, besser und angepasster auszuwerten. Sie merken dies beispielsweise vermutlich jeden Tag an der personalisierten Werbung, die Sie angezeigt bekommen. Diese machen auch eins deutlich: Datenauswertung ist nicht nur schnell, sondern durch künstliche Intelligenz und Algorithmen wird versucht, aus Ihren individuellen Daten der Vergangenheit und Gegenwart Prognosen über Ihre Interessen im Jetzt und in der Zukunft zu generieren. Auf dieser Basis erhalten Sie die Werbung, die persönlich auf Sie zugeschnitten ist. Damit hat sich in den letzten Jahren eine neue Möglichkeit immer weiter entwickelt. Daten werden nicht nur gesammelt um eine vergangene oder derzeitige Situation zu beschreiben, zu analysieren oder darzustellen, sondern aus ihnen wird auch die Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Entwicklung abgeleitet und im Idealfall noch eine Eintrittswahrscheinlichkeit bestimmter Szenarien zugeordnet.

Diese neuen Möglichkeiten der Datensammlung und der Datenauswertung und die Ableitung einer Entwicklung aus diesen bleiben aber längst nicht mehr auf die personalisierte Werbung beschränkt. Es gibt immer mehr Bereiche, in denen sich das prädiktive – also das vorhersagende – nutzen lässt für Unternehmen. So hat es sich auch in das Personalcontrolling hervorgearbeitet und wird dort in immer weiteren Bereichen genutzt und beeinflusst die Tätigkeiten, die Aktivitäten, die Fokussierung und das Bewusstsein des Handlungsbedarfs in Unternehmen. Vor allem die Kombination des prädiktiven Personalcontrollings mit der Personalstrategie und den angestrebten Zielen eines Unternehmens im Personalbereich bieten sehr viele Nutzungsmöglichkeiten. Beispielsweise können Personalmanager und bzw. oder Personalcontroller nicht nur den derzeitigen Soll-Ist-Unterschied darstellen, sondern auch zeigen, welche Auswirkungen sich in der zukünftigen Entwicklung ergeben. Beispielsweise lassen sich durch diese Anwendung Bereiche finden, in denen Unternehmen dringenden Handlungsbedarf im Personalbereich haben und können durch gute Prognosen schneller erkennen, in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht. Sie haben somit die Möglichkeit schneller auf Herausforderungen zu reagieren und können somit die negativen Auswirkungen im Idealfall eliminieren oder diese aber zumindest reduzieren. Weiterhin vorteilhaft ist auch, dass durch ein prädiktives Personalcontrolling und ein prädiktives Unternehmenscontrolling auch die Auswirkungen auf das Gesamtunternehmen erkannt werden können.

Im Anwendungsbereich lassen sich hierbei verschiedene Ansätze des prädiktiven Personalcontrollings finden. Erstens und relativ einfach vorherzusehen ist, wann welche Mitarbeitenden aus Altersgründen das Unternehmen verlassen. Aus diesen Daten kann beispielsweise erkannt werden, wann welche Nachfolgeprogramme gestartet und letztendlich auch abgeschlossen sein müssen, damit eine gute Nachfolge gesichert ist. Schwieriger aber auch relevanter zu wissen ist, wie viele potentiell gute Bewerberinnen und Bewerber sich wann beim Unternehmen auf welche Positionen bewerben. Vor allem in Zeiten des sich immer weiter ausweitenden Fachkräftemangels ist es für Unternehmen wichtig zu wissen, wann sie mit wie vielen neuen Mitarbeitenden rechnen können und ob sie ausreichend geeignete Kandidatinnen und Kandidaten ansprechen. Auch dies kann mit prädiktivem Personalcontrolling und Personalmanagement herausgefunden werden. Noch schwieriger ist es herauszufinden, welche und wie viele Mitarbeitenden in einer gewissen Zeitperiode das Unternehmen freiwillig verlassen könnten. Diese Information ist für Unternehmen gleich aus zwei Gründen relevant. Erstens kann ein freiwilliges Ausscheiden durch verschiedene personalwirtschaftliche Ansätze verhindert werden und zweitens ist dies auch wiederum für die Nachfolgeplanung und die Einarbeitungszeit relevant. Ein weiteres wichtiges Themenfeld ist die schwankende Anzahl benötigten Personals in saisonalen oder konjunkturellen Schwankungen und deren Auswirkungen auf das Unternehmen. Hier können Personalverantwortliche bzw. Managerinnen und Manager von Unternehmen frühzeitig entscheiden, welche Strategie die angemessenste für die Bewältigung der zukünftigen Situation ist.

Aufgrund der Relevanz für Unternehmen und die möglichen positiven Effekte ist eine Änderung der Datenauswertung von rückblickend zu vorausschauend in Unternehmen unumgänglich. Auch wenn es viele Unternehmen vor große technische Herausforderungen und zudem Kompetenzentwicklungsnotwendigkeit stellt, sind auch hier die Einsicht der Notwendigkeit und der Beginn der Umsetzung relevant. Die Weiterentwicklung der Nutzung auf immer mehr Bereiche stellt sich dann nach dem ersten Erfolg ein. Viel Spaß, Freude und Erfolg auf diesem Weg.

Elmar Stein
Elmar Stein promoviert derzeit im Bereich systemisch-strategisches Personalmanagement. Er hat einen amerikanischen Master in Human Resource Management (mit Schwerpunkt Organisationsstrategie) und ist Gymnasiallehrer (für Englisch und Politikwissenschaften). Er ist Absolvent der DAM im Lehrgang Geprüfte/r Personalmanager/in.
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