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27. Juli 2023 | von Elmar Stein

Mit Veränderungen der Arbeitsbedingungen dem Fachkräftemangel ein Stück weit begegnen!

Die Baby Boomer Generation verabschiedet sich altersbedingt nach und nach aus dem Arbeitsleben. Die nachfolgenden Generationen umfassen insgesamt weniger Arbeitskräfte. Das auf dem Arbeitsmarkt insgesamt verfügbare Arbeitsstundenpotential ist rückläufig. Weiterhin liegen der Berufswahl der nachfolgenden Generationen teilweise deutlich andere Berufswünsche zu Grunde. Hierdurch wird auch die Verteilung des verfügbaren Arbeitsstundenpotentials verändert. Einige Branchen und Berufszweige sind davon massiv betroffen. Der Kampf um Fachkräfte wird bisher in einigen Branchen bereits sehr hart geführt. In der Zukunft wird dieser sich noch weiter intensivieren und sich auf weitere Berufsfelder ausweiten. Die meisten Unternehmen versuchen dem Fachkräftemangel mit einem immer härter geführten Kampf um Arbeitskräfte zu begegnen. Viele Ressourcen und damit Zeit und Geld werden eingesetzt um die Zahl der Fachkräfte im Unternehmen zu erhöhen und die gewünschte Anzahl an Personen im Unternehmen zu haben. Hierbei verlieren Unternehmen aber oft eine andere Möglichkeit aus den Augen oder zumindest aus dem Fokus: Die Optimierung der Arbeitszeit und der Arbeitsbedingungen des eigenen Personals unter den gegebenen Voraussetzungen. „Sicherlich können wir auch um mehr Fachkräfte kämpfen, wir müssen uns aber auch darauf fokussieren, wie wir mit den Personen optimal arbeiten können, die uns zur Verfügung stehen; es ist doch utopisch zu glauben, dass uns die benötigten Fachkräfte einfach so zufallen“, ist für das Problem eine typische und weise Einsicht.

Die Möglichkeiten der Optimierung der Arbeitszeit sind vielfältig. Eine einfache Möglichkeit ist die Erhöhung der möglichen home office Zeit beziehungsweise des mobilen Arbeitens. Vor allem wenn die Hinfahrt und Rückfahrt der Mitarbeitenden (vergleichsweise) länger dauert oder aber eine bestimmte Zeitspanne in Anspruch nimmt, können Mitarbeitende viel Zeit einsparen. Zudem kann bei nervigen Anfahrten und Rückfahrten mit Stau oder langen Wartezeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln viel Stress reduziert werden, wenn Mitarbeitende deutlich mehr oder (fast) ausschließlich im home office oder mobil arbeiten können. Mitarbeitende können und werden die vermutlich die gewonnene Zeit dafür nutzen, ihre wöchentliche Arbeitszeit zu erhöhen. Für ihr Privatleben bleibt bei einer Erhöhung der Arbeitszeit im Rahmen der eingesparten Pendelzeit noch die gleiche Zeit übrig.

Die Wahrscheinlichkeit hierzu können Sie dadurch noch weiter erhöhen, wenn Sie zusätzlich flexible(re) Arbeitszeiten anbieten. Hierdurch können Mitarbeitende die gewonnene Pendelzeit und gegebenenfalls weitere zusätzliche (potentielle) Arbeitszeit in ihren Alltag integrieren. Gestärkt wird hierdurch auch die work-life balance der Mitarbeitenden. Denken Sie beispielsweise an die Mitarbeitenden, die kleine Kinder haben und diese am Nachmittag betreuen (müssen). Wenn die kleinen Kinder früh ins Bett gehen müssen, besteht noch Potential für ein paar Stunden Arbeit.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass Arbeitszeitkonten eingerichtet werden und die Jahresarbeitszeit mit den unternehmerischen Bedingungen abgeglichen und abgestimmt werden und eine phasenweise Mehrarbeit ermöglicht wird. Auch hier bietet sich beispielsweise das Thema Kinder an. Gehen diese in eine Ganztagsschule, so werden diese natürlich auch ganztags betreut. In den Schulferien sieht dies jedoch anders aus. Vielen Familien fällt es hier deutlich schwerer Arbeit und familiäre Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen. Eine naheliegende Entscheidung im Vorfeld ist, dass die wöchentliche Arbeitszeit so reduziert wird, dass diese in schwierigeren Zeiten gerade so bewältigt werden kann. Hierdurch wird aber viel potentielle Arbeitszeit nicht angeboten.

In jeder Position gibt es Aufgaben, die miterledigt werden müssen, auch wenn für diese die Kompetenzen einer speziellen Fachkraft nicht (zwingend) erforderlich sind. Vor allem administrative aber auch andere Aufgaben können von anderen Mitarbeitenden beziehungsweise von Positionen übernommen werden, bei denen der Fachkräftemangel im Idealfall nicht (stark) ausgeprägt ist. Durch eine solche Reduktion der Aufgaben in diesem Bereich kann die Fachkraft vermehrt im Aufgabenkernbereich eingesetzt werden. Mehr Aufträge können so abgearbeitet werden. Hinzu kommt, dass Fachkräfte oftmals wenig Freude an Begleitaufgaben und vor allem administrativen Aufgaben haben. Oftmals sind sie sehr froh, wenn sie von diesen Aufgaben weitestgehend möglich befreit werden.

Dies hat zudem noch weitere positive Nebeneffekte. Zunächst kann durch das Befreien von eher ungeliebten Aufgaben und einer Fokussierung auf die Kernarbeitsprozesse sicherlich die Mitarbeiterbindung erhöht werden. In Zeiten des um sich greifenden Fachkräftemangels ist dies ein relevanter Aspekt. Zudem hat dies einen positiven Einfluss auf das Employer Branding und damit auch direkt auf die Attraktivität als Arbeitgeber. Viele Personen möchten sich in ihrem Berufsalltag auf ihre Kernarbeit fokussieren und sind vermutlich gerne bereit ihren Arbeitgeber zu wechseln, wenn sie von einem entsprechenden Angebot erfahren.

Werden solche Ansätze zur Reduktion der Auswirkungen bei Ihnen im Unternehmen (bereits) umgesetzt? Wenn ja, welche und welche nicht? Fallen Ihnen für ihr Unternehmen noch weitere individuelle Möglichkeiten ein? Wie können diese bei Ihnen im Unternehmen konkret umgesetzt werden? Welche (weiteren) Erfolgsmöglichkeiten sehen Sie für Ihr Unternehmen?

Elmar Stein
Elmar Stein promoviert derzeit im Bereich systemisch-strategisches Personalmanagement. Er hat einen amerikanischen Master in Human Resource Management (mit Schwerpunkt Organisationsstrategie) und ist Gymnasiallehrer (für Englisch und Politikwissenschaften). Er ist Absolvent der DAM im Lehrgang Geprüfte/r Personalmanager/in.
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