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7. September 2023 | von Elmar Stein

Nachhaltigkeit nicht nur schreiben, sondern auch umsetzen

Neulich fuhr ich mit dem Auto und stand an einer roten Ampel. Vor mir stand ein Fahrzeug des regionalen Stromanbieters. „Sicherlich ein E-Auto“, dachte ich mir. „Würde ja Sinn ergeben, die müssen den Strom ja nicht mal zum normalen Preis kaufen, sondern können ihn ja zum Herstellungspreise beziehen“ gingen meine Gedanken weiter. Ich schaute kurz auf das Nummernschild und stellt überrascht fest: es ist kein Elektroauto. Es ist ein normales Dieselfahrzeug. Ich war verwundert und überrascht gleichermaßen. An der nächsten Ampel stellte ich fest, auf dem Auto steht: „ihr Stromversorger in der Region aus der Region für die Region“. Ich dachte mir erst nichts dabei. Dann kam jedoch der Gedanke: „ist das nicht völlig inkonsequent? Müsste ein regionaler Stromanbieter nicht nur über den Slogan, sondern auch über Taten Werbung machen? Ein E-Auto wäre da nur konsequent.“

Zu Hause angekommen, kam mir die Situation wieder in den Kopf. Ich rief die Website des Unternehmens auf, weil ich mehr erfahren wollte. Die Website war für einen Stromversorger (vermutlich) typisch aufgebaut. Das Unternehmen stellt sich vor mit Geschichte, Ursprüngen, dem Management und den Unternehmenszielen. Spannend, dachte ich mir und klickte auf die Unternehmensziele. Neben den üblichen Aussagen war da (sinngemäß) zu lesen: wir möchten die Region mit günstigem und Grünen Strom versorgen und damit unseren Beitrag leisten, die Natur und die Umwelt in unserer Region und darüber hinaus zu schützen. Wir möchten mit sauberem grünem Strom einen Beitrag leisten, die Umwelt und das Klima zu schützen.

Ich hörte auf weiter zu lesen. Mir schossen einige Gedanken in den Kopf: „Wie passt es zusammen, dass das Unternehmen Umweltschutz voranbringen und die Region schützen möchte durch sauberen grünen Strom, die Fahrzeugflotte aber (zumindest in Teilen) mit Dieselmotoren betrieben wird? Umweltfreundlich und zu den Zielen des Unternehmens passt dies offensichtlich nicht. Nimmt das Unternehmen seine Ziele wirklich ernst? Oder sind diese einfach nur dahingeschrieben, weil es schön klingt und bei (potentiellen) Kunden einen guten Eindruck macht?

Eigentlich wollte ich an diesem Punkt aufhören zu lesen und das Thema damit beruhen lassen. Doch dann fiel mir ein Slogan auf, der sinngemäß lautet: „Sprechen Sie gerne mit uns auch über Elektromobilität und Ihre Stromversorgung. Wir beraten Sie gerne.“ Ich war überrascht und stellte mir die folgende Situation vor: eine potentielle Kundin oder ein potentieller Kunde ruft bei dem Unternehmen an und vereinbart einen Informationstermin um die Gegebenheiten vor Ort zu besprechen; beispielsweise über die Möglichkeit und Voraussetzungen der Installation einer Wall-Box. Würde es der Person nicht komisch vorkommen, wenn der Berater des Stromversorgers für ein Beratungsgespräch zur Elektromobilität mit einem Dieselfirmenwagen kommt? Würde die Person sich nicht die gleichen Gedanken machen wie ich?

Ich führte meine Gedanken weiter fort. Offensichtlich hat das Unternehmen das Ziel nachhaltig zu sein. Die Ziele verdeutlichen klar, dass das Thema Nachhaltigkeit bei dem Unternehmen großgeschrieben wird. Sogar das Geschäftsmodell sieht (zumindest nach außen) sogar auf Nachhaltigkeit ausgerichtet aus. Ich dachte mir, dass gerade ein Stromversorger nicht nur ein wirtschaftliches Interesse am Umweltschutz hat, sondern auch eine ökologische Verantwortung. Das Unternehmen müsste eigentlich – wenn es seine eigenen Ziele ernst nimmt – ein Vorbild sein. Ich machte mir Gedanken, was das Unternehmen machen sollte beziehungsweise könnte – um seinen eigenen Zielen, der Vorbildfunktion und der Nachhaltigkeit gerecht zu werden.

Die Flotte zumindest nach und nach auf E-Autos umzurüsten wäre der Anfang. Es könnte ein Slogan auf die Autos geklebt werden, beispielsweise „wir tanken unseren eigenen günstigen grünen Strom, wollen Sie das auch?“ Konsequenterweise müsste das Unternehmen auch ausreichend Wall-Boxen aufstellen um die eigene Flotte auf dem eigenen Hof zu laden. Weiterhin wäre konsequent, wenn auch die Mitarbeitenden mit Elektroautos die Möglichkeit bekämen, ihre privaten E-Autos auf dem Unternehmensparkplatz zu laden. Natürlich müsste dies nicht gratis sein, aber es sollte zumindest in angemessenem Ausmaß angeboten werden. Vielleicht würde das Unternehmen damit auch erreichen, dass auch die eigenen Mitarbeitenden verstärkt auf Elektro-Autos umsteigen. Ein Zeichen und ein Beitrag wäre es auch, wenn die Dachfläche(n) des Stromversorgers mit Photovoltaikanlagen bestückt würden. Dies würde Kundinnen und Kunden verdeutlichen, dass sich der Stromversorger an der Elektrizitätswende beteiligt und das Konzept der Nachhaltigkeit durchdacht hat und konsequent umsetzt. Hiermit könnte auch gezielt Werbung gemacht werden. Diese würde, im Gegensatz zur jetzigen Situation, auch viel glaubwürdiger und damit erfolgsversprechender sein. Es bleibt zu hoffen, dass sich das Unternehmen weiterentwickelt und Nachhaltigkeit, welche als Ziel des Unternehmens ausgegeben ist, in absehbarer Zeit nicht nur auf dem Papier respektive der Website großgeschrieben wird.

Wird Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen berücksichtigt? In welchem Ausmaß wird sie konsequent umgesetzt? Passen die Ziele und die Handlungen zusammen oder gibt es Differenzen? Welche Möglichkeiten sehen Sie um die Nachhaltigkeitsziele in Ihrem Unternehmen stärker voranzubringen? Welche konkreten Vorschläge haben Sie und wie ließen sich diese sinnvoll umsetzen?

Elmar Stein
Elmar Stein promoviert derzeit im Bereich systemisch-strategisches Personalmanagement. Er hat einen amerikanischen Master in Human Resource Management (mit Schwerpunkt Organisationsstrategie) und ist Gymnasiallehrer (für Englisch und Politikwissenschaften). Er ist Absolvent der DAM im Lehrgang Geprüfte/r Personalmanager/in.
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