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16. Mai 2023 | von Dipl.-Kommunikationswirt Klaas Kramer

Nachhaltigkeitsmanagement I Stakeholdermanagement, Folge 11

Eines gleich vorweg: Der Begriff Stakeholdermanagement führt leicht auf eine falsche Fährte: Stakeholder lassen sich nicht managen, ihr Verhalten können wir nicht einseitig steuern, sondern höchstens beeinflussen. Angemessener wäre die Umschreibung Mitgestaltung der Stakeholder-Beziehungen. Aber! Management – so auch Nachhaltigkeitsmanagement – bewegt sich nun einmal innerhalb des tradierten Kosmos der Aufrechterhaltung der Kontroll-Illusion. Daran wird auch diese Podcast-Folge nicht rütteln.

Das Management interessenpolitischer Prozesse zielt auf eine Auswahl kritischer Stakeholder, die ihre konfliktären Interessen gegenüber dem Unternehmen aufgrund der von ihnen kontrollierten Ressourcen sowohl machtvoll durchsetzen können als auch gut organisiert sind. Sind entsprechende Stakeholder erkannt und analysiert, stellt sich die Frage nach den Handlungsoptionen. Ein vorausschauendes Vorgehen äußert sich darin, dass mögliche oder latente Konflikte noch vor der Eskalation in möglichst beidseitig vorteilhafte Arrangements einmünden. Doch eine solche Entwicklung interessenpolitischer Prozesse stellt sich gewöhnlich nicht von selbst ein, sondern nur durch ein durchdachtes Management von Stakeholder-Beziehungen. Die Gestaltung solcher Beziehungen basiert in der Regel auf Dialog und Kooperation. Ein sequenzielles Eingehen auf ausgewählte Forderungen kritischer Stakeholder kann eine gegenseitige Annäherung einläuten. Durch die Einbeziehung zusätzlicher Lieferfirmen kann die Abhängigkeit von den Ressourcen einzelner Anspruchsgruppen und damit deren Einflusspotenzial verringert werden. Dazu zählt beispielsweise der Aufbau alternativer Firmenstandorte. Einzelnen Stakeholdern kann die Einbindung in die Entscheidungsfindung angeboten werden. So können Umweltorganisationen die Sortimentsgestaltung etwa durch Ausschlusskriterien beeinflussen und mittragen. Gelingt es unserem Unternehmen mit wichtigen Stakeholdern gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, reduziert das nicht nur Transaktionskosten in wirtschaftlichen Prozessen. Es bieten sich zusätzliche Möglichkeiten für eine gemeinsame synergetische Interessenverfolgung.

In der nächsten Folge lernen Sie weitere Aspekte und Prinzipien des Stakeholdermanagements kennen. Auf Wiederhören!

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe „Nachhaltigkeitsmanagement“.

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Dipl.-Kommunikationswirt Klaas Kramer
Dipl.-Kommunikationswirt Klaas Kramer, geboren 1972, studierte nach seiner Ausbildung zum Elektromaschinenmonteur und seiner Arbeit im Kultur-Event-Bereich Wirtschaftskommunikation an der FHTW Berlin (heute htw Berlin). Seit 1991 ist er selbständig zuerst im Vertrieb, dann als Partner einer Design Agentur und Marketingberatung und seit 2012 als Coach. Zwischen 2007 und 2012 übernahm er Lehraufträge an Hochschulen und ist seit 2013 für die Deutsche Akademie für Management in verschiedenen Funktionen tätig, u. a. als Tutor für Marketing und Nachhaltigkeitsmanagement. Klaas Kramer ist Autor und Co-Autor mehrerer Bücher. Zuletzt erschienen sind „Deutschland in der Krise“, „Schaf oder Hirte“ und „Krieg – Stadt gegen Land“. Seit 2023 ist Kramer Geschäftsstellenleiter des Vereins Türöffner – Jobnetzwerk für Geflüchtete.
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