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8. August 2023 | von Dipl.-Kommunikationswirt Klaas Kramer

Nachhaltigkeitsmanagement I Unser liebes Geld, Folge 22

Könnte es vielleicht daran liegen, dass unser Geldsystem gar keine wirkliche Nachhaltigkeit zulässt, weil unsere Geldschöpfung auf Krediten basiert, die mit Zinsen zurückgezahlt werden wollen, also mit Geld, das erst noch verdient werden muss. Und das ganze System kann nur funktionieren, wenn wir uns darauf verlassen können, dass die Geldmenge immer weiter zunimmt? Natürlich haben wir auf der Erde Bevölkerungswachstum, aber das Wirtschaftswachstum muss im Schnitt seit Beginn der Industrialisierung stärker sein als die Zunahme der Weltbevölkerung, damit es nicht zu schlimmen Krisen kommt. Und das gilt nicht nur für Wirtschaftsräume und nationale Volkswirtschaften, sondern auch für einzelne Unternehmen und Haushalte, also jeder Verbraucher. Private Altersvorsorge wäre ansonsten eine Illusion und niemand würde sich dann noch darauf einlassen.

Nun gibt es einige Männer, die ein baldiges Zusammenbrechen des Geldsystems prophezeien und eine Rückkehr zur Gold-Bindung fordern. Die Namen können Sie selbst googlen.

Ende des 19. Jahrhunderts kamen in verschiedenen Regionen der Welt Freigeld-Initiativen auf: Der Wert von Freigeld basiert gerade nicht auf einem Edelmetall, sondern durch eine so genannte Umlaufsicherung. Durch Negativzinsen soll Geld den Realwirtschaftskreislauf vitalisieren, anstatt als Kapital herumliegend für sich selbst zu arbeiten. Denn im heutigen Geldsystem wird geschätzt, dass weniger als 5% des Geldverkehrs noch eine nachvollziehbare Anbindung an die Realwirtschaft haben.

Bernard Lietaer war leitender Angestellter der belgischen Zentralbank. Die Business Week kürte ihn zum Top-Weltwährungshändler. Er besann sich 1999 auf ein bereits 1933 vorgestelltes Projekt einer Weltwährung mit Namen Terra, welche – ganz ähnlich dem Freigeld – eine umlaufgesicherte Währung sein sollte. Eine so genannte Demurrage-Währung, von denen es im Altertum wie im Hochmittelalter einige gegeben hat, die nachweislich Wirtschaftsregionen florieren ließen und den Lebensstandard der breiten Bevölkerung für damalige Verhältnisse erstaunlich gehoben haben sollen.

In der Schweiz gibt es neben dem Fanken eine weit verbreitete Demurrage-Währung, den WIR.

In Deutschland wirbt die Initiative Omnibus für direkte Demokratie für eine demokratische und ökologische Alternative des heutigen Geldsystems, die dieses nicht unbedingt ersetzen, so jedoch ergänzen soll.

Es gibt sogar eine umlaufgesicherte Kryptowährung, den Freicoin.

Es werden also durchaus Überlegungen angestellt, wie wir nachhaltige Wirtschaftskreisläufe mithilfe anders funktionierender Währungen fördern können.

Mit einem Blick in die Zukunft hören wir uns in Folge 23 wieder. Ciao!

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe „Nachhaltigkeitsmanagement“.

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Dipl.-Kommunikationswirt Klaas Kramer
Dipl.-Kommunikationswirt Klaas Kramer, geboren 1972, studierte nach seiner Ausbildung zum Elektromaschinenmonteur und seiner Arbeit im Kultur-Event-Bereich Wirtschaftskommunikation an der FHTW Berlin (heute htw Berlin). Seit 1991 ist er selbständig zuerst im Vertrieb, dann als Partner einer Design Agentur und Marketingberatung und seit 2012 als Coach. Zwischen 2007 und 2012 übernahm er Lehraufträge an Hochschulen und ist seit 2013 für die Deutsche Akademie für Management in verschiedenen Funktionen tätig, u. a. als Tutor für Marketing und Nachhaltigkeitsmanagement. Klaas Kramer ist Autor und Co-Autor mehrerer Bücher. Zuletzt erschienen sind „Deutschland in der Krise“, „Schaf oder Hirte“ und „Krieg – Stadt gegen Land“. Seit 2023 ist Kramer Geschäftsstellenleiter des Vereins Türöffner – Jobnetzwerk für Geflüchtete.
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