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30. Juni 2022 | von Anika Rosche

Neue Wege oder zurück in die alte Arbeitswelt? Von der Unumkehrbarkeit der Veränderung

Schöne neue Arbeitswelt oder riesige Herausforderung für Unternehmen und Mitarbeitende? Corona und die Homeoffice-Pflicht haben unsere Welt auf den Kopf gestellt, keine Frage. Doch wie geht es nun weiter, nun, da die Homeoffice-Pflicht wieder entfällt? Anhand des Straßenverkehrs konnte zumindest festgestellt werden, dass nach Ende der Homeoffice-Pflicht kein Run auf die Büroarbeitsplätze stattgefunden hat – die Straßenlage blieb weiterhin ruhig.

Zahlreiche Umfragen und Statistiken wurden in den letzten Jahren durchgeführt und zeichnen ein Bild, das nicht so recht übereinander passen mag: Führungskräfte wünschen sich häufig die Rückkehr ihrer Mitarbeitenden ins Büro – am liebsten so viel wie möglich. Die Mitarbeitenden möchten gern mindestens die Hälfte ihrer Zeit von zu Hause aus arbeiten. Zwei Haltungen, die nun zusammengebracht werden müssen und eine Frage, vor der nahezu alle Unternehmen stehen. Vielerorts sind Veränderungen im Gange, einen Masterplan hat jedoch noch niemand. Auch in Anbetracht der Einstellung neuer Mitarbeitender kann sich diese Haltung der Unternehmen zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor entwickeln. Denn insbesondere die jüngeren Generationen sind nicht mehr bereit, eine Fünf-Tage-Woche im Büro abzuleisten, wenn der Job genauso gut von zu Hause aus erledigt werden kann. Sogar ein Jobwechsel aus diesem Grund ist nicht mehr abwegig, sondern durchaus zum probaten Mittel geworden.

Interessant ist zudem der Mindshift, der eingesetzt hat. Meetings vor Ort werden häufiger hinterfragt. Es geht nicht mehr darum (wie zu Anfang von Corona), das Büroleben möglichst eins zu eins in die digitale Welt zu transportieren. Es geht vielmehr darum, den richtigen Weg und den richtigen Kanal für den entsprechenden Anlass zu finden. Zukünftig wird viel häufiger die Frage im Raum stehen, worum es eigentlich geht und anschließend die Antwort auf das „wie“ und „wo“ gegeben. Reine Informationsvermittlung bedarf keiner physischen Anwesenheit, kreativer Austausch, Networking, Teambuilding hingegen schon. Und selbstverständlich ist auch der informelle Austausch ein Argument, warum sich eine Anwesenheit im Büro bisweilen lohnt. Trotz all der Veränderungen ist der Mensch noch immer ein soziales Wesen, das den persönlichen Kontakt benötigt – nur vielleicht nicht mehr jeden Tag und zu jedem Thema. Es sind vielmehr technische Fragen, die nun gelöst werden müssen, um hybride Meetings und Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Eine weitere spannende Entwicklung zeigt sich in der Veränderung der Arbeitsmethoden. Ging es zuletzt noch darum, wie die Zusammenarbeit im Büro an bspw. einer Unterlage digital abgebildet werden kann, sind nun mehr asynchrone Möglichkeiten gefragt. Die Mitarbeitenden möchten zusammen arbeiten, nur nicht unbedingt immer zur gleichen Zeit und sich dennoch austauschen können. Auch hier ein Thema, das technisch gelöst werden kann und muss.

Neben all den technischen Herausforderungen, die mit dieser neuen Arbeitswelt auf uns zukommen und die schnellstmöglich gelöst werden sollten, ist es aber vor allem der Mindset-Shift, der über Erfolg oder Misserfolg des neuen Arbeitens entscheidet. Von Führungskräften werden andere Fähigkeiten gefordert als noch vor der Pandemie. Vertrauen und Ergebnisorientierung stehen im Mittelpunkt. Sich dieser Haltung anzunehmen und sich der neuen Anforderungen bewusst zu werden ist möglicherweise der größte Wandel, vor dem die Führungskräfte und das Management stehen. Sicherlich eine Herausforderung, aber mit Sicherheit auch eine sehr lohnenswerte. Denn eine Tatsache ist unbenommen: eine Rückkehr in das alte Arbeitsleben wird es wohl nicht mehr geben.

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Anika Rosche
Anika Rosche hat Medienwirtschaft studiert, eine Ausbildung zur Verlagskauffrau absolviert sowie Zertifzierungen als Personal- und Projektmanagerin abgeschlossen. Sie ist Geprüfte Personalmanagerin (DAM) und arbeitet als HR Director Holding.
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