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22. September 2022 | von Anika Rosche

New Work: Das Büro der Zukunft

Corona hat es beschleunigt und inzwischen ist mobiles Arbeiten keine Neuerung mehr, sondern vielerorts zur Normalität geworden. Doch auch mehr als zwei Jahre nach Beginn der Pandemie stehen Unternehmen vor großen Fragezeichen wenn es darum geht, wie das Büro der Zukunft optimalerweise gestaltet werden sollte, um den Bedürfnissen der aktuellen und zukünftigen Mitarbeitenden bestmöglich zu entsprechen.

Auch die Forschung arbeitet an dieser Fragestellung – so zum Beispiel das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart, unter Ihnen Carina Müller und Alina Käfer. Die beiden Forscherinnen arbeiten seit Beginn der Pandemie an einem Projekt, das die Arbeitswelt von 2030 prognostizieren soll. Vier Szenarien haben sie entworfen.

Eines der Szenarien zeichnet eine Welt, in der vollkommene Flexibilität und eine massive Vernetzung vorherrschen. Mitarbeitende entscheiden für wen, wann und wo sie arbeiten. Durch die Vernetzung der Arbeitsplätze würde das Gebäude automatisch gesteuert.

Coworking-Spaces und zahlreiche andere Orte wie Cafes, Restaurants, Verkehrsknotenpunkte wie Bahnhöfe und sämtliche andere Orte mit Internetzugang gewinnen in den Zukunftsszenarien massiv an Bedeutung.

Und da das Büro in dieser Betrachtung nicht mehr der Mittelpunkt der Tätigkeit ist, können die privaten Lebensmittelpunkte leichter in ländliche Gebiete verlegt werden. Dies bedeutet im städtischen Raum sowohl einen Rückgang des Bedarfs an Büroflächen als auch an privaten Wohnungen. Sollten längere Aufenthalte am Unternehmensstandort erforderlich sein, könnten unternehmenseigene Colivingspaces die Lösung sein.

Sollte in der Zukunft von Unternehmensseite eine starke Regulierung der mobilen Arbeit von zu Hause erfolgen, sodass wieder eine stärkere Präsenzpflicht erforderlich würde, müssten die Büroarbeitsplätze und -umgebungen einen deutlichen Mehrwert für die Mitarbeitenden bieten. Aus dem vormals nur Arbeitsplatz sollte dann ein Ort werden, an dem gelebt wird, wo Kinder und Hunde beaufsichtigt, Sport gemacht, Entspannungssessions angeboten werden. Ein Mehrwert müsste erkennbar sein, um dieses Szenario zu etablieren.

Ein besonders radikal anderes Szenario ist jenes, bei dem das Büro zum Ausdrucks- und Inszenierungsort wird. Die Idee ist, dass die persönliche Ansprache von der ersten Minute vor Ort an gegeben ist. Das Büro wird in regelmäßigem Turnus umgestaltet, sodass sich immer wieder ein „neuer“ Ort darbietet und den Mitarbeitenden neue Impulse gibt. Sicherlich wäre ein solches Szenario aufgrund des hohen Aufwands eine der kostenintensivsten Optionen.

Die Range der Möglichkeiten ist äußerst groß und auch die Forschung vermag noch keine Prognosen zu treffen, welches der Szenarien tatsächlich am wahrscheinlichsten ist. Was bereits durchgeführten Umfragen jedoch gemein ist: die Variabilität der Büroarbeitsplätze wird steigen. Weg von fest zugeordneten Tischen hin zu buchbaren Plätzen und Spindlösungen für die Aufbewahrung persönlicher Gegenstände. Mitarbeitende und Unternehmen wünschen sich vielfältige Ausgestaltungen – auf welche Werte diese einzahlen und in welche Richtung sie letztlich gehen werden wird jedoch nur die Zukunft zeigen können sowie nicht zuletzt jedes Unternehmen mit seinen Mitarbeitenden für sich entscheiden müssen.

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Anika Rosche
Anika Rosche hat Medienwirtschaft studiert, eine Ausbildung zur Verlagskauffrau absolviert sowie Zertifzierungen als Personal- und Projektmanagerin abgeschlossen. Sie ist Geprüfte Personalmanagerin (DAM) und arbeitet heute als Projekt Manager People & Culture bei einem Medienkonzern (TV).
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