Logo ManagementJournal
2. November 2023 | von Anika Rosche

Phänomene unserer Zeit: Wellness-Washing

Welche Benefits werden von Ihrem Unternehmen in Stellenanzeigen oder gegenüber Kandidatinnen und Kandidaten hervorgehoben? Neben dem altbekannten Obstkorb gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um Mitarbeitenden den Arbeitsplatz attraktiv zu gestalten: kostenlose Getränke, bezuschusstes Essen, Sport- und Wellnessangebote etc. Ein Unternehmen, das zahlreiche Benefits im Portfolio hat, erscheint auf den ersten Blick von außen attraktiv, gesundheitsfördernd und arbeitnehmerfreundlich. Und genau darum geht es beim Wellness-Washing: Dieses Phänomen beschreibt die Situation, in der sich ein Unternehmen als arbeitnehmerfreundlicher und gesundheitsfördernder Arbeitgeber darstellt, die tatsächlichen Herausforderungen, die zum Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beitragen jedoch nicht angeht. Wellness-Washing tritt also vornehmlich im Recruiting und Employer Branding auf.

Spätestens mit der Corona-Pandemie ist den meisten Unternehmen bewusst geworden, welchen enormen Einfluss die mentale Gesundheit auf die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und damit auf den Erfolg des Unternehmens hat. In der heutigen Zeit gibt es zahlreiche Faktoren, die die Psyche der Menschen belasten und dadurch auch Einfluss auf die Arbeitstätigkeit nehmen können. Umso wichtiger ist es aus Unternehmenssicht, hier attraktive Angebote zu schaffen.

Wie kann von außen erkannt werden, ob ein Unternehmen Wellness-Washing betreibt? Es gibt einige Indikatoren, die ein Hinweis sein können. Wenn Sie auf diese aufmerksam werden, lohnt sich ein genaueres Nachfragen:

  • Eine “individuelle Work-Life-Balance” kann ein Indikator dafür sein, dass sich der Arbeitgeber im Hinblick auf die Arbeitszeiten nicht verantwortlich fühlt.
  • Es fehlen Feedbackmöglichkeiten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu deren Wohlbefinden.
  • Vergleichsweise kleine Leistungen wie Parkmöglichkeiten, Obst und Getränke werden als eine Besonderheit hervorgehoben.

Auf der anderen Seite der Skala finden sich Unternehmen, denen die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden am Herzen liegt. Solche Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen und das betriebliche Gesundheitsmanagement mit entsprechenden Kapazitäten und Ressourcen ausstatten. Auch die offene Kommunikation mit den Mitarbeitenden zu gesundheitlichen Themen und das Einholen von Rückmeldungen aus der Belegschaft sind wichtig, um zielgenaue Maßnahmen aufzusetzen. Das Erkennen der tatsächlichen Probleme und deren Lösung anhand zielgenauer Maßnahmen ist in diesem Zusammenhang der Schlüssel zum Erfolg.

Warum es für Unternehmen elementar ist, sich nicht mit Wellness-Washing sondern echten Programmen zu beschäftigen, liegt auf der Hand: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denen das geboten wird, was versprochen wurde, sind motivierter und loyaler gegenüber ihrem Arbeitgeber.

Lesen Sie mehr in Humanresourcesmanager

Anika Rosche
Anika Rosche hat Medienwirtschaft studiert, eine Ausbildung zur Verlagskauffrau absolviert sowie Zertifzierungen als Personal- und Projektmanagerin abgeschlossen. Sie ist Geprüfte Personalmanagerin (DAM) und arbeitet heute als Projekt Manager People & Culture bei einem Medienkonzern (TV).
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner