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14. November 2019 | von Prof. Dr. Dirk Drechsler

Purpose – mehr als nur Versprechen

Neue Entwicklungen in der Geschäftswelt ziehen automatisch auch neue Begrifflichkeiten nach sich, die von Managementtheoretikern entweder gerne selbst entwickelt oder von der Praxis ausgehend aufgenommen werden. Die von den amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlern David P. Norton und Robert S. Kaplan in die Diskussion gebrachte Balanced Scorecard ist ein Konzept zur Messung, Dokumentation und Steuerung der Aktivitäten eines Unternehmens über die Perspektiven Finanzen, Kunden, Prozesse und Potenziale. Die Besonderheit liegt darin, dass es sich um eine Vorgehensweise handelt, die weit oben im Unternehmen ansetzt und ausgehend von der Mission, Vision und den Kernwerten über die Strategie des Unternehmens in diese Bereiche hineinsteuert. Dabei fordert das Konzept eine zusammenhängende Konstruktion, die jeden Schritt miteinander verbindet (vgl. Niven, 2009, S. 111ff.).

Mit der Mission wird versucht, folgende Frage aus Sicht einer Organisation zu beantworten: Warum existieren wir? Google drückt diese Frage nach der Daseinsberechtigung wie folgt aus: „Unsere Mission: Die Informationen dieser Welt organisieren und allgemein zugänglich und nutzbar machen“ (Google, 2019). Die Autoren James C. Collins und Jerry L. Porras benutzen die Vision als weiteren übergeordneten Sachverhalt und differenzieren diesen in eine organisatorische Kernideologie und vergegenwärtigte Zukunft. Im ersten Fall geht es um die Kernwerte wie beispielsweise Leistungsbereitschaft, Qualitätsbewusstsein oder Integrität. Letzteres steht dafür, wo sich das Unternehmen in der Zukunft sehen möchte, d.h. es formuliert seinen Platz in der Zukunft (vgl. Collins und Porras, 1996, S. 3). Ausgehend davon formuliert die Unternehmensleitung weitere Ziele, die sich dann in den Perspektiven wiederfinden. Die BASF beispielsweise sieht sich als das weltweit führende Chemieunternehmen für seine Kunden, dessen Tun von einer Leidenschaft angetrieben wird, profitables Wachstum verspricht und Wert für die Gesellschaft schaffen möchte (BASF, 2019).

Mit dem neuen Begriff „Purpose“ versuchen die Unternehmen im digitalen Wettbewerb noch viel stärker die übergeordneten Ziele auszudrücken. Das Zukunftsinstitut spricht sogar von einer neuen Ära, die von diesem Purpose angeleitet und getrieben wird : „Die Menschheit steht an der Schwelle zu einer zweiten Renaissance: Visionäre Unternehmen zeigen, welche Potenziale das Streben nach Höherem entfalten kann“ (Veken, 2016). Mit einem intelligent formulierten und tatsächlich gelebten Purpose gelingt es Unternehmen besser an Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Die mit aktuellen Entwicklungen wie Klimawandel, geopolitischen Spannungen oder künstlicher Intelligenz einhergehenden Unsicherheiten verlangen nach einer Art Versprechen, dass Unternehmen verantwortungsvoll die Zukunft gestalten möchten und die Konsumenten mit auf diese Reise nehmen. Wenn diese Wertschätzung gelingt, sind die Versprechungen erfüllt. Starbucks möchte zum „Third Place“ der Menschen werden neben dem Arbeitsplatz und dem Zuhause und Lego engagiert sich dafür, dass das „gute“ Spielen auf der Welt triumphiert. Die Aussagen sind vielversprechend und der Purpose stellt in dieser Hinsicht ein geeignetes Instrument dar.

 

Prof. Dirk Drechsler ist Autor verschiedener Studienbriefe der DAM

Literatur:

  • BASF (2019): Strategie, https://www.basf.com/global/de/investors/basf-at-a-glance/strategy.html, abgerufen am 19.08.2019.
  • Collins, J.C., Porras, J.L. (1996): Building Your Company’s Vision, in: Harvard Business Review, September-October, S. 1-14, https://employeeengagement.com/wp-content/uploads/2011/08/Building_Your_Companys_Vision_HBR_1996.pdf, abgerufen am 19.08.2019.
  • Google (2019): Infos, https://about.google/intl/de/, abgerufen am 19.08.2019.
  • Niven, P.R. (2009): Balanced Scorecard, 2. Auflage, Wiley, Weinheim.
  • Veken, D. (2016): Driven by Purpose: Eine neue Ära, https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/driven-by-purpose-eine-neue-aera/, abgerufen am 13.06.2019.

 

Deutsche Akademie für Management_Mitarbeitende
Prof. Dr. Dirk Drechsler
Dr. rer. soc. HSG Dirk Drechsler ist Professor für betriebswirtschaftliches Sicherheitsmanagement an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Offenburg. Zuvor war er beruflich bei den Unternehmen KPMG in Stuttgart als externer Wirtschaftsprüfer, Charterhouse Capital Partner/Ista International in Luxemburg als Senior Internal Auditor und FUCHS Petrolub SE in Mannheim als Head of Internal Audit/Risikomanager/Working Capitel Controller tätig. Herr Drechsler studierte an den Universitäten Duisburg (heute Duisbug-Essen), Kyoto (Doshisha) und Tübingen die Fächer Internationale Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftstheorie, Ökonometrie/Operations Research und Japanologie. Die Promotion schloss er an der Universität St. Gallen/Schweiz im Fach Wirtschaftssoziologie/Wirtschaftskriminalität bei Prof. Dr. Franz Schultheis ab. Die Arbeitsschwerpunkte liegen auf den Gebieten Risikomanagement, Digitalisierung, Data Analytics, Corporate Governance, Compliance und Betrugsbekämpfung. Ferner war Herr Drechsler Stipendiat der Friedrich-Ebert Stiftung und ist ehemaliger Leistungssportler (Judo) mit zwei deutschen Meistertiteln. Herr Prof. Drechsler verantwortet maßgeblich die Spezialisierung Compliance: "Ein gutes Studienprogramm ist geprägt von einer ganzheitlichen Sichtweise. Das bedeutet nicht nur die Geschäftstätigkeit, sondern sämtliche begleitende Faktoren zu berücksichtigen. Die DAM hat mich gebeten, drei Studienbriefe zu den Themen Corporate Governance, Risikomanagement und Compliance zu schreiben. In Zeiten wechselnder Herausforderungen bemüht sich die DAM um die Ausbildung risikobewusster Manager/-innen, die sowohl den Erfolg des Unternehmens als auch die Absicherung gegenüber Turbulenzen und Unsicherheiten vorantreiben. Ich freue mich, einen innovativen Bildungsdienstleister wie die DAM unterstützen."
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