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19. Mai 2022 | von Anika Rosche

Resilienz für Beruf und Alltag: eine wichtige Eigenschaft oder Modeerscheinung?

Bezeichnen Sie sich selbst als resilient? Und wie steht es um die Resilienz Ihrer Mitmenschen? Früher nur unter Wissenschaftlern und Psychologinnen bekannt, ist dieser Begriff heutzutage in aller Munde. Zahlreiche Wissenschaftszweige wie die Neurowissenschaft, Genetik und Psychologie beschäftigen sich mit diesem Phänomen.

Doch was bedeutet Resilienz eigentlich? Ursprünglich wurde damit die Fähigkeit bezeichnet, in extremen Situationen zu bestehen ohne seelische Schäden davon zu tragen. Die heutzutage eher gängige Bedeutung ist, dass der allseits stressige und belastende Alltag durchgestanden wird ohne Schädigungen davonzutragen. Nach aktuellem Stand leiden ca. 30 Prozent der europäischen Bevölkerung unter stressbedingten psychischen Erkrankungen.

Raffael Kalisch ist ein Neurowissenschaftler, der beim Deutschen Resilienz-Zentrum eine Langzeitstudie zur Resilienz durchführt und ein Buch zu diesem Thema veröffentlicht hat. Ziel seiner Resilienzforschung ist es, die Krankheitsfälle zu reduzieren, Ängste zu nehmen und damit die Produktivität der Betroffenen wieder zu steigern.

Wie verhält sich ein resilienter Mensch im Vergleich zu einem weniger resilienten? Gemäß den Forschern und Forscherinnen sind eher solche Menschen resilient, die trotz zahlreicher negativer Ereignisse noch etwas Positives sehen. Bei diesen Menschen ist das neuronale Belohnungssystem trotz Stress und Belastung aktiv. In Situationen großer Ungewissheit glauben diese Menschen eher an das Positive und daran, dass sie selbst Einfluss auf das Ergebnis nehmen können. Dieser Vorgang wird als Bewertungsstil bezeichnet. Und dieser wiederum wird einem nicht in die Wiege gelegt, sondern kann erlernt werden. Dies ist ein längerfristiger Prozess und bedingt den absoluten Willen zur Veränderung. Zudem ist es hilfreich, Resilienz zu fördern: wird Konflikten ständig aus dem Weg gegangen und hat man die Grundhaltung, dass im Leben immer alles leicht laufen muss, schwächt die eigene innere Widerstandskraft auf Dauer ab.

Ein Modell zur Stärkung der Resilienz ist das 7-Säulen-Modell nach der Ursprungsidee der Diplompsychologin Ursula Nuber. Diese Säulen sind Optimismus, Akzeptanz, Lösungsorientierung, Opferrolle verlassen, Verantwortung übernehmen, Netzwerkorientierung, Zukunftsplanung. Dieses Modell wurde von Dr. Franziska Wiebel weiterentwickelt, sodass es aus vier Grundhaltungen und drei Praktiken zusammengesetzt ist. Die vier Grundhaltungen beziehen sich auf das Mindset, also die innere Einstellung und Gedanken sowohl gegenüber uns selbst als auch der Außenwelt. Wenn das Mindset stimmt, ist der Grundpfeiler für Resilienz gelegt. Die drei Praktiken sind Übungen und Anleitungen, die zum Training und stetigen Wiederholen genutzt werden können, um Stressresistenz aufzubauen. Lesen Sie hier mehr zu diesem Modell und seiner Anwendung (siehe Link unten).

Welche Vorteile bietet eine hohe Resilienz? Der größte Vorteil liegt natürlich auf der Hand – resiliente Menschen werden von Schicksalsschlägen und hohen Belastungen nicht so schnell aus der Bahn geworfen und überstehen diese ohne bleibende Schäden. Zudem sind ihre sozialen Kontakte stabiler. Resiliente Menschen haben einen guten Zugang zu ihren eigenen Gefühlen und sind tendenziell zuversichtlich eingestellt. Ihr Selbstbild ist realistischer, weshalb sie ihre Ziele gut abschätzen und die Wege zur Erreichung dieser leichter finden können.

Die gute Nachricht ist: jeder Mensch besitzt grundsätzlich einen gewissen Grad an Resilienz. Dieser Grad an Resilienz ist lediglich unterschiedlich stark ausgeprägt und wird von der Situation beeinflusst, in der man sich befindet. Somit gilt auch für weniger resiliente Menschen, dass es in jedem Fall Möglichkeiten gibt, sich in diesem Bereich besser und stärker aufzustellen. Mit Durchhaltevermögen und den richtigen Methoden ist eine Stärkung der eigenen Resilienz in jedem Fall möglich.

Lesen Sie mehr dazu in Psychologie heute oder Planet Wissen oder Resilienz-Akademie

Anika Rosche
Anika Rosche hat Medienwirtschaft studiert, eine Ausbildung zur Verlagskauffrau absolviert sowie Zertifzierungen als Personal- und Projektmanagerin abgeschlossen. Sie ist Geprüfte Personalmanagerin (DAM) und arbeitet heute als Projekt Manager People & Culture bei einem Medienkonzern (TV).
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