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2. Juni 2022 | von Anika Rosche

Rückkehrer und Rückkehrerinnen –  die häufig verkannten Potenzialtragenden

 Sie als Personalmanagerin kennen es sicherlich auch: Jemand kehrt aus einer längeren Eltern- oder Pflegezeit oder einem Sabbatical zurück und in den Fachabteilungen herrscht große Ratlosigkeit, was nun zu geschehen habe und welche Aufgaben der- oder diejenige übernehmen soll. Auch die Rückkehrerinnen selbst stellen sich die Frage, wie es beruflich weitergehen kann. Häufig ist eine Neuorientierung von Interesse.

Die IU Internationale Hochschule hat dazu geforscht und ein Whitepaper herausgegeben. Einige wichtige Erkenntnisse aus der Studie im Überblick:

  • 75 Prozent der Rückkehrerinnen sehen diese als Chance zur Neuorientierung. Eine Rückkehr in den alten Job ist für die meisten nicht mehr von Interesse aufgrund der Unvereinbarkeit der beruflichen und privaten Verpflichtungen
  • Die überwiegende Mehrheit der Rückkehrerinnen möchte sich weiterbilden, um die eigenen Chancen zu verbessern, Fachwissen zu vertiefen oder sich persönlich weiterzuentwickeln
  • Weiterbildungsmöglichkeiten sind von höchstem Interesse, jedoch nur wenn diese entsprechend flexibel (z. B. online und Präsenz in Kombination) möglich sind
  • Über 70 Prozent der Rückkehrerinnen halten ihre Chancen auf einen neuen Job für gut

Der letzte Job wurde in den meisten Fällen durch die Rückkehrerin selbst gekündigt (28,1 Prozent). Hintergrund ist zumeist die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf. Als zweithäufigster Grund folgt darauf der Wunsch, sich in Vollzeit der Familie zu widmen oder es gab beim Arbeitgeber nicht die Möglichkeit, die Arbeitszeit entsprechend zu reduzieren. Der zweithäufigste Grund ist die arbeitgeberseitige Kündigung (23,3 Prozent).

Die Gründe für den Wiedereinstieg sind zumeist finanzieller Natur (68,6 Prozent) – ungefähr hälftig aufgeteilt in den Wunsch zum Geldverdienen und der Notwendigkeit danach. Circa ein Drittel der Befragten wünscht sich neben der Kindererziehung wieder eine Aufgabe.

Und wie soll die neue Aufgabe aussehen? Fast die Hälfte – nämlich 46,4 Prozent – wünschen sich eine gänzlich andere Aufgabe. Knapp 30 Prozent streben nach einer ähnlichen Aufgabe wie zuvor, jedoch mit mehr Verantwortung und einem größeren Aufgabenumfang. Lediglich 24 Prozent möchten in genau die gleiche Tätigkeit zurückkehren.

Es zeigt sich: eine Familie erfordert eine höhere Flexibilität, die sich sowohl auf die Arbeitstätigkeit als auch auf die Anforderungen an eine Weiterbildung auswirken. Doch auch andere Faktoren wie Alter, Arbeitslosigkeit, Gesundheit scheinen einen Einfluss auf die beruflichen Chancen zu haben. Die Studienteilnehmerinnen wurden auch dazu befragt, inwiefern sie glauben, dass diese Punkte zu einer Benachteiligung bei der Arbeitssuche führen könnten.

  • lediglich ein Viertel war der Annahme, dass es keinen Einfluss gäbe
  • 22 Prozent nehmen an, dass die familiäre Situation einen Einfluss haben könnte
  • 12,6 Prozent glauben, dass das Alter einen Einfluss hat
  • 11,6 Prozent sehen in einer längeren Arbeitslosigkeit eine Schwierigkeit bei der späteren Jobsuche
  • 9,4 Prozent denken, dass gesundheitliche Faktoren einen negativen Einfluss haben

Damit ist die Rückkehr in den Beruf nach wie vor eine der größten Herausforderungen, denen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stellen haben. Scheinbar verkennen Unternehmen die damit einhergehenden Chancen noch zu sehr wie der Einschätzung der Studienteilnehmerinnen zu entnehmen ist. Hier wäre ein deutliches Potenzial zu heben, das dem Fachkräftemangel entgegenwirken könnte.

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Anika Rosche
Anika Rosche hat Medienwirtschaft studiert, eine Ausbildung zur Verlagskauffrau absolviert sowie Zertifzierungen als Personal- und Projektmanagerin abgeschlossen. Sie ist Geprüfte Personalmanagerin (DAM) und arbeitet als HR Director Holding.
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