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12. Mai 2022 | von Elmar Stein

Schlüsselpositionen erkennen, definieren und erfolgreich besetzen

Sicherlich sind in Unternehmen prinzipiell alle Positionen relevant und müssen adäquat besetzt sein. Wenn eine Position überhaupt nicht relevant wäre, dann müsste diese generell in Frage gestellt werden um Kosten einzusparen. Von daher sollte es sich in Unternehmen von vorneherein verbieten von irrelevanten Stellen zu sprechen. Offensichtlich ist aber auch, dass manche Positionen, Aufgaben, und Tätigkeiten stärker zum Unternehmenserfolg beitragen als andere. Dies muss jedoch wiederum auch nicht heißen, dass die Positionen für ein Unternehmen die relevantesten sind, die sich auf den ersten Blick als am rentabelsten für den Unternehmenserfolg herauskristallisieren. Es können auch andere Positionen, Aufgaben und Tätigkeiten sein, die im Gesamtbild andere Tätigkeiten erst ermöglichen, die wiederum den Unternehmenserfolg sicherstellen.

Ein Beispiel: bei Fluggesellschaften vermuten Sie vermutlich die Pilotinnen und Piloten als Schlüsselposition für den Unternehmenserfolg. Auf den ersten Blick ist dies auch naheliegend. Diese ermöglichen es mit ihrer Tätigkeit, dass Flugzeuge von A nach B kommen und damit die Passagiere an die Orte bringen, an die sie möchten – beruflich oder privat. Für uns als Kunden erledigen sie die Tätigkeit, die für das Unternehmen am relevantesten ist, weil sie mit ihrer Tätigkeit dazu beitragen, dass das Unternehmen sein Kerngeschäft – den Transport von Passagieren – erledigen kann. Für die meisten Fluggesellschaften sind Pilotinnen und Piloten wichtiges Personal, die relevanteste Schlüsselposition haben sie in ihrem Unternehmen aber nicht inne. Denn ohne Stewardessen und Stewards können Pilotinnen und Piloten ihre Arbeit nicht verrichten. Zur Schlüsselposition werden Stewardessen und Stewards aufgrund ihrer geringeren Verfügbarkeit am Arbeitsmarkt. Eine Pilotin bzw. ein Pilot ist von der Anwesenheit mehrerer Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter abhängig. Ohne diese können sie höchstens Güter, jedoch keine Personen befördern.

Dieses Beispiel verdeutlicht sehr gut, dass Unternehmen sich gezeielt mit Schlüsselpositionen befassen und diese im ersten Schritt erkennen müssen. Als Ansatzpunkt kann zunächst der Fachkräftemangel verschiedener Positionen innerhalb des Unternehmens ermittelt und dann mit dem Zusammenarbeitsverhältnis verglichen werden – wie beispielsweise das Verhältnis von Piloten / Pilotinnen und Flugbegleitern / Flugbegleiterinnen. Je nach Verhältnis und unternehmensindividuellen Voraussetzungen und Gründen können die Schlüsselpositionen, Schlüsselaufgaben, Schlüsselqualifikationen und Schlüsselerfahrungen ermittelt und definiert werden. Je nach benötigtem Bedarf von Schlüsselpositionen können sich verschiedene Szenarien und Kombinationsmöglichkeiten ergeben, wie diese Positionen erfolgreich mit Personal besetzt werden können. Beispielsweise kann sich dies durch Aufgabenumverteilung ergeben, aber auch durch Personalmarketing, Employer Branding, Kampf um Fachkräfte in Schlüsselpositionen, Weiterbildung, Ausbildung und bzw. oder Fortbildung. Zur Unterstreichung der Relevanz und zur Kosten-Nutzen-Analyse können auch Berechnungen angestellt werden. Hierbei ist es möglich zu berechnen, welcher zusätzliche Ertrag für das Unternehmen möglich ist, wenn Schlüsselpositionen besetzt werden können. Dies ergibt sich aus dem Kooperationsverhältnis. Für unser Beispiel bedeutet dies, dass eine bzw. mehrere Stewardessen bzw. Stewards mehr Flüge ermöglichen und mit der durchschnittlichen Auslastung eines Flugzeuges mit durchschnittlichen Ticketpreisen abzüglich der Kosten für den Flug Gewinn für das Unternehmen erzielt werden kann. Bedacht werden muss auch, dass fehlendes Personal bei einer zusammenarbeitenden Gruppe früher oder später dazu führen muss, dass Personal freigesetzt werden muss. Dies gilt es zu verhindern.

Elmar Stein
Elmar Stein promoviert derzeit im Bereich systemisch-strategisches Personalmanagement. Er hat einen amerikanischen Master in Human Resource Management (mit Schwerpunkt Organisationsstrategie) und ist Gymnasiallehrer (für Englisch und Politikwissenschaften). Er ist Absolvent der DAM im Lehrgang Geprüfte/r Personalmanager/in.
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