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18. Februar 2020 | von Dipl.-Kffr. Daniela Behrendt

Selbstorganisation mit Delegation Poker

Haben Sie Lust Ihr Team weiter in Richtung Agilität und Selbstorganisation zu führen? Dann stelle ich Ihnen dazu heute eine spielerische Methode vor: Das Delegation Poker.

Als Führungskraft kommt Ihnen folgende Situation sicherlich bekannt vor.

Das neue Jahr hat begonnen. Sie nehmen sich vor, sich dieses Jahr endlich stärker aus dem operativen Tagesgeschäft herausziehen, um mehr Zeit für strategische Aufgaben zu haben. Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn einige Mitglieder Ihres Teams schaffen es einfach nicht, selbstorganisiert Entscheidungen zu treffen. Mit den einfachsten Themen kommen Sie zu Ihnen und erwarten, dass Sie entscheiden.

Auf der anderen Seite ist es aber auch gar nicht so einfach, Entscheidungen zu delegieren. Denn am Ende sind Sie als Führungskraft ja für das verantwortlich, was in Ihrem Team geschieht und müssen den Kopf dafür hinhalten.

Selten liegt die fehlende Entscheidungsfreude an fehlenden Kompetenzen. Meist liegt es eher daran, dass den Beteiligten die Entscheidungsregeln nicht klar sind, und deshalb keiner weiß, wer welche Entscheidungen eigenständig und ohne Rücksprache mit Ihnen oder anderen treffen darf und bei welchen Entscheidungen Sie oder andere mit einzubeziehen sind.

Delegation Poker kann Ihnen helfen, hier mehr Klarheit zu schaffen.

Bevor ich zum eigentlichen Pokern komme, noch einige Worte zum Thema „Delegation“. Delegation ist keine „entweder-oder“-Entscheidung. Es gilt also nicht „Entweder ich als Führungskraft mache es – oder du Mitarbeitender machst es“. Nein, zwischen diesen beiden Extremen gibt es verschiedene Stufen der Delegation, vom hierarchischen „Ich sage, wo es langgeht” (Stufe 1) bis hin zum vollständigen Delegieren (Stufe 7).

Und nun zum Pokern

Zu Beginn des Spiels sammeln Sie im Team, bei welchen Entscheidungen in der Vergangenheit Unsicherheit darüber herrschte, wie eigenständig in dieser Situation entschieden werden darf bzw. soll.

Bevor Sie um echte Teamentscheidungen pokern, empfiehlt es sich, das Ganze einmal an einem fiktiven Beispiel zu simulieren, damit jeder versteht wie es geht. Zum Beispiel an folgendem:

Nehmen wir an, Sie möchten gerne die Mitglieder Ihres Teams bei der Einstellung neuer Mitarbeiter beteiligen. Gepokert wird um die Frage: Welche Delegationsebene ist in dieser Situation aus der Perspektive der Führungskraft die gewünschte?

Und dann geht das Pokern so:

  • Delegation Poker wird in einer kleinen Gruppe mit meistens 3 bis 7 Personen gespielt.
  • Jede Person erhält einen Satz Karten, die von 1 bis 7 durchnummeriert sind und den sieben Stufen der Delegation entsprechen.
  • Jeder entscheidet nun für sich selbst, wie weit er oder sie den Entscheidungsprozess delegieren würde, wenn sie selbst die Führungskraft wäre und wählt die entsprechende Karte aus.
  • Wenn alle eine Karte gewählt haben, wird bis 3 gezählt und alle legen ihre Karten offen vor sich auf den Tisch.
  • In der Regel werden verschiedene Delegationsebenen gewählt worden sein. Lassen Sie nun Vertreter des höchsten und des niedrigsten Wertes ihre Wahl erklären. Sollte der Unterschied zwischen der höchsten und der niedrigsten Stufe sehr groß sein, dann sollten Sie nach der Erklärung noch eine Runde pokern und jeder sollte bei der persönlichen Entscheidung die Argumente der beiden berücksichtigen.
  • Fordern Sie abschließend die Gruppe auf, sich auf eine Delegationsebene zu einigen.
  • Die so getroffene Entscheidungsregel sollten Sie dann z.B. auf einem Delegation Board schriftlich festhalten.

Sie sehen, Delegation Poker ist ein einfaches Tool, um Selbstorganisation im Team zu fördern und Klarheit über Entscheidungsregeln und Zuständigkeiten zu schaffen. Es entlastet Führungskräfte von dem sowieso illusorischen Anspruch, ständig alles entscheiden zu müssen. Und es gibt jedem im Team mehr Sicherheit über die Frage, wer was wann und in welchem Umfang entscheiden darf bzw. soll.

Probieren Sie es aus!

Im nächsten Podcast stelle ich das Review als eine Standardmethode für Feedback-Schleifen in agilen Teams vor. Bleiben Sie also neugierig!

Quellen:

Jurgen Appelo (2018): Managing for Happiness: Übungen, Werkzeuge und Praktiken, um jedes Team zu motivieren, Vahlen.

https://komfortzonen.de/delegation-poker-bessere-entscheidungen-im-team/

 

Daniela Behrendt, Tutorin der Deutschen Akademie für Management

 

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe „Agilität“.

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Dipl.-Kffr. Daniela Behrendt
Nach einer Ausbildung als Hotelkauffrau studierte Daniela Behrendt in Berlin an der Humboldt Universität und der Freien Universität Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Organisation und Führung sowie Personalmanagement. Umfassende Kenntnisse und Erfahrungen in der Personalberatung und –entwicklung gewann sie durch ihre langjährige Tätigkeit im Personalbereich der Daimler AG. Schwerpunkte ihrer Arbeit waren die Durchführung von Potenzialanalysen, Assessement und Development Centern, die Konzeption von Personalentwicklungsprogrammen für High Potentials und Führungskräfte sowie die Steuerung internationaler Mitarbeitereinsätze. Seit 2009 arbeitet Frau Behrendt als selbständige Beraterin für Personal-und Organisationsentwicklung für mittelständische Unternehmen. Dabei steht sie ihren Kunden als HR-Generalist für klar umrissene Aufgaben zeitlich befristet zur Verfügung. Sie unterstützt und begleitet im Tagesgeschäft, bei der Konzeption und Umsetzung moderner HR-Strategien und -instrumente sowie der Planung und Steuerung von HR-Projekten. Als Dozentin für Personalmanagement ist es ihr ein besonderes Anliegen, die Studierenden für Chancen und Herausforderungen der Personalarbeit zu begeistern, ihre Kompetenzen fachspezifisch auszubauen und sich so neue Karrieremöglichkeiten zu erschließen. Ihre Schwerpunkte liegen in den Themenfeldern Personalauswahl, Personalentwicklung und Führung.
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