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21. April 2022 | von Anika Rosche

Teamzusammensetzung: Konstellationen und Herausforderungen

In jedem Unternehmen gibt es sie: Teams. Und in jedem Unternehmen gibt es Teams, die gut zusammen funktionieren und solche, bei denen dies nicht der Fall zu sein scheint. Doch woran liegt es, dass manche Teams zusammenkommen und sofort produktiv werden? Andere hingegen scheinen von Anfang an Anlaufschwierigkeiten zu haben, die sich auch im Verlauf der Zusammenarbeit immer wieder durch Konflikte und Verzögerungen zeigen? Sind es Einzelcharaktere, die das Gesamtgefüge stören oder gibt es allgemeine Arithmetiken, nach denen vorab beurteilt werden kann, ob eine Teamzusammensetzung erfolgversprechend ist?

Grundsätzlich gibt es drei Fragen, die beantwortet werden sollten, um ein Team zu analysieren und um herauszufinden, inwieweit eine erfolgreiche Zusammenarbeit gegeben sein wird. Anhand einer solchen Teamanalyse werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgezeigt, um anschließend Lösungsoptionen zu finden.

  • Über welche Stärken verfügt das Team?
  • Welche Art von Konflikten oder blinden Flecken könnten auftreten?
  • Welche Aufgaben kann das Team gut bewältigen? Welche Aufgaben kann es nicht gut bewältigen?

Im Allgemeinen können drei Arten von Teamkonstellationen unterschieden werden:

  1. a) Ein Team mit vielen Gemeinsamkeiten

Ein solches Team zeichnet sich dadurch aus, dass die einzelnen Personen ähnlich ausgeprägte Motive haben. Sie sind sich schnell einig und haben das gleiche Verständnis davon, was richtig und was falsch ist. Dies hat natürlich den positiven Effekt, dass z. B. Entscheidungen schnell getroffen werden können, weil kaum Diskussionen erforderlich sind. Schließlich sind sich alle von Vorneherein einig. Die Gefahr, die bei solchen Teams besteht, ist die des blinden Flecks. Bei sehr ähnlich ausgeprägten Motiven haben alle Teammitglieder ähnliche Aspekte und Sichtweisen im Blick. Der Blick „über den Tellerrand hinaus“ fehlt jedoch, da kein andersartig ausgeprägtes Teammitglied vorhanden ist. Dies birgt die Gefahr, dass wichtige Aspekte, Sachverhalte oder Folgen von Entscheidungen übersehen werden – der blinde Fleck. Gelöst werden kann diese Situation dadurch, dass eine Art „Korrektiv“ in Form einer anders strukturierten Person eingeführt wird, die eine ausgleichende Rolle im Team spielt und somit die Gefahr des blinden Flecks vermindert.

  1. b) Ein Team mit vielen Unterschieden

Ein heterogenes Team zeichnet sich dadurch aus, dass die Motive und Prägungen divergent ausgerichtet sind, ohne dass es zur Lagerbildung kommt. Im Team sind also Mitglieder mit sehr unterschiedlichen Stärken und Schwächen vertreten. Diese Konstellation bietet großes Konfliktpotenzial, jedoch auch gleichzeitig die Chance, jedwede Herausforderung optimal zu lösen. Durch eine geschickte Aufgaben- und Rollenverteilung anhand der jeweiligen Stärken, kann auf alle Situationen und deren Veränderung optimal reagiert werden, solange dann die jeweiligen Personen mit den richtigen Stärken im Lead sind. Dafür ist eine wichtige Voraussetzung, dass alle Teammitglieder um die eigenen Stärken und die der anderen wissen, sich mit Wertschätzung und auf Augenhöhe begegnen. Wenn jeder den Beitrag des anderen schätzt und sich in der jeweiligen Situation aufeinander verlassen wird, kann ein maximal effizientes Team entstehen.

  1. c) Ein Team mit gegensätzlichen Lagern

Bei Teams mit gegensätzlichen Lagern sind die Motive diametral entgegengesetzt ausgeprägt und verteilen sich etwa hälftig im Team. Bei solchen Teams kommt es vor allem auf die Art der stark ausgeprägten Motive an. Hier gilt es zu schauen, wie diese optimal für die Teamzwecke eingesetzt werden können. Konfliktpotenzial ist definitiv gegeben. Entgegen der Stärken der einzelnen Teammitglieder zu arbeiten empfiehlt sich hingegen nicht, weil dann nicht das optimale Endergebnis erzielt werden kann. Es zeigt sich: auch hier ist der Umgang miteinander, eine offene Anerkennung und Erkennung der Stärken und Schwächen aller Teammitglieder eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

In der Praxis ist es selten so, dass Teams anhand ihrer Stärken-/Schwächen-Profile zusammengesetzt werden. Häufiger sind die Kompetenzen, organisatorische Zugehörigkeit oder politische Erwägungen Treiber der Teamzusammensetzung. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, sich der Motive verschiedener Individuen bewusst zu sein, um ein Team schnellstmöglich in die Produktive zu überführen. Eine gegenseitige Offenheit bildet die Basis dafür, dass eine erfolgreiche Zusammenarbeit gestaltet werden kann. Diese Überlegungen und Haltungen sind sowohl für eine Führungskraft als auch als Personalmanager/in wichtig und hilfreich.

Lesen Sie mehr darüber anhand eines Praxisbeispiels im Humanresourcesmanager

Anika Rosche
Anika Rosche hat Medienwirtschaft studiert, eine Ausbildung zur Verlagskauffrau absolviert sowie Zertifzierungen als Personal- und Projektmanagerin abgeschlossen. Sie ist Geprüfte Personalmanagerin (DAM) und arbeitet heute als Projekt Manager People & Culture bei einem Medienkonzern (TV).
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