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30. November 2017 | von Prof. Dr. Dirk Drechsler

Unternehmerische Governance-, Risiko- und Compliance-Strukturen I

Was erwarten Sie, wenn Sie morgens in ihr Auto steigen? Da gibt es bestimmt eine Menge Antworten, aber was erwarten Sie implizit, wenn Sie den eigentlichen Nutzen des Autos betrachten? Jede Form des Fortbewegungsmittels beinhaltet u.a. den Anspruch von Sicherheit. Nun gibt es in der englischen Sprache die Differenzierungsmöglichkeit in „Safety“ und „Security“. Ersteres bezieht sich auf die Produktsicherheit (Product Safety) im weitesten Sinn, während letzteres mehr die Informations- und IT-Sicherheit (Information/IT Security) thematisiert. Im Rahmen der deutschen Sprache müssen wir mit einem Begriff auskommen, was aus meiner Sicht aber eher ein Vorteil als ein Problem ist. Doch Produkte stehen bei allen Unternehmen ziemlich am Ende eines langen Wertschöpfungsprozesses, der wiederum (zumindest bei Produktionsunternehmen) von Ingenieursleistungen und IT begleitet wird. Ergänzt man die Betrachtung um den dritten Faktor der wirtschaftlichen Leistungen, spannt sich eine dreidimensionale Verflechtung sowohl entlang der Aufbau- als auch der Ablauforganisation auf. Natürlich stehen dabei an erster Stelle die Gewinnerzielungsabsicht und das Vorhaben stetiger Wettbewerbsfähigkeit, um zukünftig an den globalen und zunehmend digitalisierten Märkten bestehen zu können. Doch die wenig erfreuliche Liste von IT-Zwischenfällen in 2017 mit den Beteiligten namens Shadow BrokersWannaCryPetyaNotPetyaNyetyaGoldeneyeWikileaks CIA Vault 7Cloudbleed etc. ist beunruhigend1. Das rückt die Sicherheit in den Fokus. Ganz im Sinne der oben angesprochenen deutschen Spracheigenschaft sind Unternehmen gut beraten, das Thema Sicherheit ganzheitlich anzugehen. Für börsennotierte Unternehmen hierzulande steht die Umsetzung oder begründete Nicht-Umsetzung des Deutschen Corporate Governance Kodexes im Mittelpunkt solcher Maßnahmen (anderen Unternehmensformen wird die Umsetzung empfohlen). „Der Deutsche Corporate Governance Kodex (der ‚Kodex‘) stellt wesentliche gesetzliche Vorschriften zur Leitung und Überwachung deutscher börsennotierter Gesellschaften (Unternehmensführung) dar und enthält international und national anerkannte Standards guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung.“2 Ein Teil davon entfällt auf das Risiko- und Compliance-Managements. Beide Institutionen und Maßnahmenpakete erfordern eine Rückendeckung von oberster Stelle, die sich juristisch in der letztendlichen Verantwortung bei den Organen (Organisation und Kontrolle) manifestiert. Der Rahmen ist also gesteckt und wir können uns ins Auto setzen. Reicht das aus? Wir werden sehen, denn die beiden folgenden Beiträge konkretisieren diese Anforderungen weiter.

Prof. Dr. Dirk Drechsler ist Autor mehrere Studienbriefe:

1410 Corporate Governance und Unternehmensethik
1420 Risikomanagement
1430 Compliance-Management-Systeme

 

1 Vgl. Newman, 2017, ohne Seitenangabe
2 Regierungskommission, 2017, S. 1

Literatur:

Newman, Lily Hay; The biggest cybersecurity disasters in 2017 so far; in: Wired; 01.07.2017; URL: https://www.wired.com/story/2017-biggest-hacks-so-far/ (letzter Zugriff am: 13.08.2017); 2017.

Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex; Deutscher Corporate Governance Kodex; in der Fassung vom 7. Februar 2017 mit Beschlüssen aus der Plenarsitzung vom 7. Februar 2017; URL: http://www.dcgk.de//files/dcgk/usercontent/de/download/kodex/170424_Kodex.pdf (letzter Zugriff am 13.08.2017); 2017.

Deutsche Akademie für Management_Mitarbeitende
Prof. Dr. Dirk Drechsler
Dr. rer. soc. HSG Dirk Drechsler ist Professor für betriebswirtschaftliches Sicherheitsmanagement an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Offenburg. Zuvor war er beruflich bei den Unternehmen KPMG in Stuttgart als externer Wirtschaftsprüfer, Charterhouse Capital Partner/Ista International in Luxemburg als Senior Internal Auditor und FUCHS Petrolub SE in Mannheim als Head of Internal Audit/Risikomanager/Working Capitel Controller tätig. Herr Drechsler studierte an den Universitäten Duisburg (heute Duisbug-Essen), Kyoto (Doshisha) und Tübingen die Fächer Internationale Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftstheorie, Ökonometrie/Operations Research und Japanologie. Die Promotion schloss er an der Universität St. Gallen/Schweiz im Fach Wirtschaftssoziologie/Wirtschaftskriminalität bei Prof. Dr. Franz Schultheis ab. Die Arbeitsschwerpunkte liegen auf den Gebieten Risikomanagement, Digitalisierung, Data Analytics, Corporate Governance, Compliance und Betrugsbekämpfung. Ferner war Herr Drechsler Stipendiat der Friedrich-Ebert Stiftung und ist ehemaliger Leistungssportler (Judo) mit zwei deutschen Meistertiteln. Herr Prof. Drechsler verantwortet maßgeblich die Spezialisierung Compliance: "Ein gutes Studienprogramm ist geprägt von einer ganzheitlichen Sichtweise. Das bedeutet nicht nur die Geschäftstätigkeit, sondern sämtliche begleitende Faktoren zu berücksichtigen. Die DAM hat mich gebeten, drei Studienbriefe zu den Themen Corporate Governance, Risikomanagement und Compliance zu schreiben. In Zeiten wechselnder Herausforderungen bemüht sich die DAM um die Ausbildung risikobewusster Manager/-innen, die sowohl den Erfolg des Unternehmens als auch die Absicherung gegenüber Turbulenzen und Unsicherheiten vorantreiben. Ich freue mich, einen innovativen Bildungsdienstleister wie die DAM unterstützen."
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