Logo ManagementJournal
5. August 2025 | von Prof. Dr. mult. Victor Tiberius

Zahlt sich Emotionsregulation in der Führung aus?

Eine Studie hat untersucht, ob ein kurzes Training zur Emotionsregulation die Wirksamkeit von Führung steigert – und welche Mechanismen dabei greifen. Im Fokus standen Deep Acting, d. h. authentisches Zeigen positiver Gefühle, und der positive Gefühlsausdruck gegenüber Mitarbeitenden.

Was verstehen wir unter Emotionsregulation? Emotionsregulation bedeutet, die innere Haltung so zu justieren, dass das sichtbare Gefühl zum Ziel, zur Situation und zu den eigenen Werten passt. Wichtig ist die Unterscheidung: Deep Acting (echte, innerlich verankerte Emotion) versus Surface Acting (aufgesetztes Lächeln).

Ist ein kurzes Training tatsächlich hilfreich? Die Antwort fällt klar positiv aus. Ein Feldexperiment zeigte: Nach einem kompakten Training berichteten Führungskräfte mehr Deep Acting, Beobachtende nahmen mehr positive Affekte wahr – und Mitarbeitende bewerteten die Führungswirksamkeit höher.

Die Effekte liefen indirekt über zwei Mechanismen:

  • Deep Acting – wer innerlich Zuversicht und Wertschätzung aktiviert, wirkt im Kontakt glaubwürdig.
  • Positiver Gefühlsausdruck – diese Authentizität wird sichtbar und zahlt auf Wirkung ein.

 

Was folgt daraus für die Praxis?

Ein kurzer, routinierter Vorlauf vor heiklen Gesprächen – Atem zur Ruhe bringen, Intention klären (z. B. Verstehen und Lösung finden), echten Wert-Anker aktivieren – erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Sie authentisch positiv auftreten. Es geht nicht um Schauspiel, sondern um professionell kultivierte Echtheit.

 

Fazit

Emotionsregulation lässt sich trainieren – mit Wirkung. Wer echte positive Emotionen innen kultiviert und außen sichtbar macht, führt spürbar wirksamer. Der Hebel ist klein, die Effekte sind direkt im Alltag messbar.

 

Quelle: Edelman, P. J., & van Knippenberg, D. (2017). Training Leader Emotion Regulation and Leadership Effectiveness. Journal of Business and Psychology, 32(6), 747–757. https://doi.org/10.1007/s10869-016-9471-8

Prof. Dr. mult. Victor Tiberius
Victor Tiberius ist Geschäftsführender Co-Direktor der Deutschen Akademie für Management. Er studierte Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspädagogik und absolvierte darüber hinaus ein Aufbaustudium in Entrepreneurship und Innovationsmanagement (MBA) sowie diverse Executive Education-Programme - etwa an der Columbia Business School, der London School of Economics and Political Sciences, dem INSEAD, der Saïd Business School an der University of Oxford und der Sloan School of Management am MIT. Er wurde in Wirtschaftswissenschaften, Philosophie sowie Pädagogik promoviert. Zudem wurde ihm die Ehrendoktorwürde von der Universität Galati verliehen. Neben seiner Tätigkeit an der DAM lehrt und forscht er als Honorarprofessor für Strategie und Entrepreneurship an der Universität Potsdam und war zudem drei Jahre lang Lehrbeauftragter an der ESCP Europe. Seine Forschungsergebnisse wurden in zahlreichen angesehenen wissenschaftlichen Journals veröffentlicht. Er ist im Ranking "World’s Top 2% Scientists" für 2023 bis 2025 gelistet. Zudem wird er im AD Scientific Index 2024 unter den Top 20 der Strategieforscher in Deutschland geführt. Tiberius war zudem zehn Jahre lang als Handelsrichter am Landgericht Berlin sowie fünf Jahre lang als ehrenamtlicher Richter am Finanzgericht Berlin-Brandenburg tätig.
Consent Management Platform von Real Cookie Banner