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13. September 2018 | von

Hoher Leistungsbilanzüberschuss zunehmend problematisch

Sowohl 2017 als auch in den ersten Monaten des Jahres 2018 hat Deutschland wieder einen deutlichen Exportüberschuss erwirtschaftet. Das wirtschaftspolitische Ziel „Außenwirtschaftliches Gleichgewicht“ wird somit weiterhin verfehlt. Die starke Exportabhängigkeit ist auch deshalb problematisch, weil sich der Außenhandel mit zwei sehr wichtigen Handelspartnern – den USA und Großbritannien – in den nächsten Jahren deutlich erschweren dürfte. So setzt die US-Regierung mit ihrer Zollpolitik auf protektionistische Maßnahmen. Großbritannien wird Ende März 2019 die EU verlassen. Der Brexit dürfte zu Einschränkungen des freien Warenaustauschs führen.

Für Deutschland ist das Erreichen eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichts eines der vier Ziele des magischen Vierecks. Indikator hierfür ist eine ausgeglichene Leistungsbilanz (vgl. Mussel/Pätzold 2012, S. 219). De facto bedeutet dies, dass sich Exporte und Importe ungefähr auf gleichem Niveau bewegen.

Magisches Viereck (Quelle: eigene Darstellung)

2017 standen Warenausfuhren im Wert von fast 1.300 Mrd. Euro Wareneinfuhren im Wert von über 1.000 Mrd. Euro gegenüber. Der Saldo der Leistungsbilanz betrug dadurch rund 263 Mrd. Euro und somit etwa acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dieser hohe Leistungsbilanzüberschuss liegt auch über dem Schwellenwert von sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts, den die Europäische Kommission als noch tolerabel ansieht (vgl. Deutsche Bundesbank 2018, S. 15 ff.).

Der Exportüberschuss hat zwar positive Beschäftigungswirkungen für den deutschen Arbeitsmarkt, er ist allerdings auch mit Nachteilen verbunden. Insbesondere wächst mit steigenden Exporten die Abhängigkeit von ausländischen Abnehmern. In den Defizitländern drohen dagegen Schuldenkrisen. Das Beispiel Griechenland zeigt, dass dies auch negative Folgen für Überschussländer wie Deutschland hat.

Wie stark sind Ihre Branche und damit auch Ihr Unternehmen von dieser Entwicklung betroffen? Über 15 Prozent aller deutschen Warenexporte werden nach den Daten des Statistischen Bundesamtes entweder in die USA oder nach Großbritannien geliefert – genau die beiden Staaten, mit denen schwierigere Handelsbeziehungen drohen. Mit der Automobilindustrie, dem Bereich Chemie/Pharmazeutika und dem Maschinenbau tragen drei Branchen zu fast 50 Prozent zu den deutschen Ausfuhren bei. Der Anteil der Exporte in die USA liegt in diesen drei Branchen jeweils über zehn Prozent. Besonders für die Automobilindustrie ist auch Großbritannien ein sehr wichtiger Markt. Sie ist somit von den aktuellen politischen Entwicklungen besonders stark betroffen.

 

Quellen:

 

Deutsche Bundesbank (2018): Die deutsche Zahlungsbilanz für das Jahr 2017, in: Deutsche Bundesbank: Monatsbericht März 2018, S. 15-36.

Mussel, G./Pätzold, J. (2012): Grundfragen der Wirtschaftspolitik, 8. Aufl., München.

Weiterführende Daten zum Außenhandel finden sich auf der Homepage des Statistischen Bundesamtes hier

Prof. Dr. Frank Hubert, Mannheim, Studienbriefautor der DAM

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