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29. Juni 2017 | von

Kreativität im Team: So klappt es und so nicht …

Haben Sie schon mal versucht, im Team kreativ zu sein? Kreativität ist nicht nur bei Künstlern gefragt. Auch Ingenieure sind kreativ, wenn sie ein technisches Problem lösen, Manager bei der Vorausplanung, Trainer beim Aufbereiten von Wissen. Jedes Mal, wenn die traditionelle Lösung nicht (mehr) funktioniert oder man höhere Ansprüche hegt, muss man kreativ werden und neue Wege finden.
Leider genügt es nicht, einige kompetente Menschen mit verschiedenem Hintergrund zusammenzurufen und ihnen ein Problem vorzulegen. Ohne eine geordnete Vorgehensweise reden alle durcheinander. Die älteste dokumentierte Technik für die Kreativität im Team, das Brainstorming, führt zwei wichtige Regeln ein: Es dürfen nicht mehr als zwölf Personen teilnehmen, und Ideen werden zunächst gesammelt und danach bewertet. Beide Regeln sind essenziell, genügen jedoch nicht.
Nach meiner Erfahrung umfasst ein kreatives Team idealerweise zwei Personen. Zwei können prima gemeinsam Ideen erzeugen, die einer alleine nicht gehabt hätte. Ab drei  wollen zu oft mehrere gleichzeitig reden. Je größer die Gruppe, umso unübersichtlicher wird der Gesprächsfluss und schwerer zu steuern. Sobald jemand seine Idee zurückhalten muss, wird sie fade. Ideen müssen frisch serviert werden! Schon ab einer Dreiergruppe zieht sich einer beleidigt oder erschöpft zurück.
Meine Lieblingsmethode für die Kreativität im Team ist die 635-Methode (vgl. Drews/Hillebrand 2007, S. 105 ff.). Hier wird schriftlich gearbeitet und nicht gesprochen. Jeder Teilnehmer nehme ein Blatt Papier und teile es senkrecht in drei Spalten. In die oberste Zeile schreibt er in fünf Minuten drei Ideen. Danach geht jedes Blatt an den Nachbarn. Der fügt drei weitere Ideen dazu. Und so weiter, bis auf allen Blättern sechs Zeilen stehen. Bei sechs Teilnehmern erhält man so in einer halben Stunde 108 Ideen.
Mit dieser Methode kommt jede/r zu Wort, auch die Stille und der, der etwas länger nachdenken möchte. Die ersten drei Runden führen noch zu relativ naheliegenden Ideen und erst wenn diese aufgebraucht sind, beginnt die wahre Kreativität. Selbst wenn die Teilnehmer stöhnen: Bleiben Sie dran!
Nur sehr selten klappt die Technik nicht. Es gibt Teilnehmende, die sogar bei einer schriftlichen Methode eine ungesunde Gruppendynamik ins Rollen bringen, beispielsweise indem sie sich laut über Ideen lustig machen und nachfragen oder abzählen, von wem diese wohl stamme, oder indem sie jeden Zettel zu früh weiterreichen und so ihren Nebenmann oder ihre Nebenfrau drängen. Da greift der Moderator ein und verweist auf die Regeln.
Das Schönste an dieser Technik ist ihre meditative Kraft. Sie versetzt die Teilnehmenden in Flow und man fühlt sich ganz konzentriert und gleichzeitig abgehoben.

Dr. Andrea Herrmann ist Autorin des Studienbriefes 3400 Innovationsmanagement .

Drews, G./Hillebrand, N. (2007): Lexikon der Projektmanagement-Methoden, München.

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