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9. Januar 2020 | von

Management: Das 7S-Modell im Zeitalter der Digitalisierung

Kunden und Kundinnen haben heutzutage akzeptiert, dass sie von der Industrie günstige Preise erwarten können, während sich das Management von Unternehmen an dem Konzept der „Economies of Scale“ orientieren.  Die Bedeutung von Standardisierung und Massenproduktion nimmt stetig weiter zu und bietet im Zuge der Digitalisierung anhand von cyberphysischen Systemen (Industrie 4.0) die kundenspezifische Produktion, um die wirtschaftlichen Vorteile der Massenproduktion mit individualisierten Kundenwünschen zu kombinieren.  Anhand von Big Data können Unternehmen, die an der Digitalisierung bereits partizipieren, kundenindividuelle Produkte und Services in kürzester Zeit offerieren.  Ein weiterer Aspekt der Digitalisierung ist ein dynamisch sich veränderndes Umfeld und damit variierende Kundenbedürfnisse.  Im Fokus für das Management stehen die Effizienz und die Kosten von unternehmerischen Prozessen.  Letztlich bietet die Digitalisierung die Möglichkeit, die Transaktionskosten zu überwachen, auf dynamische Marktprozesse mit Blick auf die Unternehmensgröße zu reagieren und bei der flexiblen Anpassung der Unternehmensgröße die Wertschöpfung im Unternehmen zu optimieren.  Für traditionelle Unternehmen stellt sich daher die Frage, wie sich unter diesen neuen Rahmenbedingungen digitale Geschäftsmodelle entwickeln lassen (Gatziu Grivas, 2019, S. 5ff).

Ein relevantes Unternehmensmodell stellt das 7S-Modell von Peters und Watermann dar.  Peters und Watermann entwickelten 1982 das 7S-Modell, welches 7 Faktoren definiert, die für die Gestaltung einer Organisation wichtig sind.  Die 7S-Faktoren sind: (a) Struktur, (b) Strategie, (c) Systeme, (d) Selbstverständnis (Superordinate Goals), (e) Spezialkenntnisse, (f) Stil und (g) Stammpersonal.  Dabei sind alle Faktoren systemisch miteinander vernetzt und bilden ein Hexagon um das Zentrum von (d).  Ein wichtiger Aspekt für das Modell war, einen menschlichen Faktor mit in das Modell der Organisationsgestaltung aufzunehmen (Marek, 2010, S. 2).  Zudem sollte eine Organisationsstruktur als Erfolgsfaktor simpel gehalten sein (Business-Wissen, 2007).  Peters und Watermann folgten damit einem systemtheoretischen Ansatz, wobei die 7S-Faktoren einem Teilsystem eines Unternehmens entsprechen (Marek, 2010, S. 2). 

An Kritik lässt sich zu dem 7S-Modell erwähnen, dass das Modell nicht immer trennscharf hinsichtlich der einzelnen Faktoren ist, wobei die Erfolgsfaktoren unsystematisch abgegrenzt sind (Knop, 2011, S.60ff, Marek, 2010, S. 2).  Weiter ist die Prozesssicht der Wertschöpfung im Unternehmen nicht näher in dem Modell ausgeprägt, was für die Digitalisierung jedoch wichtig erscheint (siehe Wertschöpfung und Uniqueness bei Gatziu Grivas, 2019, S.7ff, Marek, 2010, S. 2).  Weiter zeigt das 7S-Modell nicht auf, in welcher Beziehung ein Unternehmen zu seiner Umwelt steht und im Modell fehlen gänzlich die Misserfolgsfaktoren (Knop, 2011, S.60ff, Marek, 2010, S. 2).

Als Fazit liefert das 7S-Modell Ansätze zu relevanten Kernkomponenten von Unternehmen, wie: (a) Daseinszweck einer Organisation, (b) Kultur und Stil, (c) Formale Strukturen und Instrumente (Marek, 2010, S. 2).  Das Modell kann gerade für einfach gehaltene Unternehmensstrukturen einen praktikablen Ansatz bieten, durch eine Kombination aus weichen und harten Unternehmensfaktoren.  Das 7S-Modell weist Schwächen auf hinsichtlich der Wertschöpfung, variierender Umweltfaktoren und Misserfolgen, die für digitale Unternehmensmodelle maßgeblich erscheinen.  Daher könnten sich zukünftige Untersuchungen auf eine Erweiterung von systemischen Faktoren, die relevant für die Digitalisierung sind, im 7S-Modell beziehen.

 

Dr. Ulrich R. Deinwallner

 

Literaturverzeichnis:

Business-Wissen. (2007). Flexible Modelle für Ihre Organisationsstruktur. Abgerufen, 06. Dezember, 2019 von https://www.business-wissen.de/artikel/agil-flexible-modelle-fuer-ihre-organisationsstruktur/

Gatziu Grivas, S. (2019). Digital Business Development. Wiesbaden: Springer Gabler.

Knop, R. (2011). Erfolgsfaktoren strategischer Netzwerke kleiner und mittlerer Unternehmen. Wiesbaden: Gabler Verlag.

Marek, D. (2010). Unternehmensentwicklung verstehen und gestalten. Wiesbaden: Gabler Verlag.

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