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9. März 2021 | von Julius Pöhnert

Musik | Werdegänge im Kulturmanagement, Folge 3

Musik ist vielleicht einer der beliebtesten Bereiche des Kulturmanagements. Viele wachen bereits mit Musik auf und werden von ihr den gesamten Tag begleitet – im Auto, im Supermarkt und in der Warteschleife einer Telefonhotline. In Konzerten für unterschiedlichste Zielgruppen kommt man zu besonderem Musikgenuss zusammen. Zu Musik hat jeder eine Meinung und meist auch eine Lieblingsmusik.

Berühmte Melodien aus Pop, Rock und Schlager sind jedem bekannt und die klassischen, großen Orchester haben eine relativ feste und sichere Position in der Kulturlandschaft. Auch in der Ausbildung haben sich zahlreiche renommierte Studiengänge zum Musikmanagement gebildet und Kunstschaffende jeglicher Couleur versuchen sich an eigenen Produktionen.

Ebenso hat Musik eine sehr hohe Öffentlichkeitswirksamkeit. Ob nun ein Konzert der alternden Stones, Klatsch und Tratsch um Helene Fischers Privatleben oder Fehden und Skandale bei den Bayreuther Festspielen – musikalische Ereignisse sorgen in der Presse stets für höchste Aufmerksamkeit und bei den Zuhörenden für eine große emotionale Beteiligung. Sowohl Produktion als auch Rezeption musikalischer Werke sind oft mit großer Leidenschaft verbunden. Vielleicht haben Sie den neuesten Pixar-Film „Soul“ gesehen, ein Film über einen Jazzmusiker. Wenn er seine Musik spielt, befindet er sich im „Flow“ – einem Zustand, der im Film als Befinden zwischen den Welten beschrieben wird.

Im Musikbusiness selbst ist für derartige Sentimentalitäten natürlich nur wenig Platz. Bei Konzertveranstaltern oder Plattenlabels zählen Fakten. Dennoch gibt es sie natürlich auch hier: berauschende Geschichten von Konzerttourneen oder Berichte von außergewöhnlichen Inspirationen, die zu musikalischen Werken geführt haben.

Im Musikmanagement von Konzertveranstaltungen fallen ganz klassische Aufgaben wie Akquise, Ticketing oder Tourmanagement an. Hierfür sind buchhalterische und kommunikative Fähigkeiten gefragt. Für das Management eines Labels ist systemisches Denken essentiell: Tiefgehende Kenntnisse zur Musik und zum Lebensumfeld der Zielgruppen sind unerlässlich. Auftritte, Termine und Verträge zu koordinieren sowie die Betreuung der oft anspruchsvollen Kunstschaffenden sind weitere Aufgabenbereiche.

Wem dies nicht genug Verwaltungsaufgaben sind: Auch bei Musikverlagen oder Verwertungsgesellschaften, die bekannteste ist hier die GEMA, fallen zahlreiche Aufgaben im Musikmanagement jenseits des Live-Showbusiness an.

Auch in der Hochkultur gibt es bei Events und großen Konzerthäusern im Kulturmanagement viele wichtige Aufgabenbereiche – hier ist die größte Herausforderung oft die historisch gewachsene, umfangreiche und streng hierarchische Struktur eines Betriebes oder einer Produktion.

Im Vergleich mit anderen Kulturbereichen ist Musik ein sehr dynamischer Markt, besonders auch wegen ihre Allgegenwärtigkeit und Nutzbarkeit in Verbindung mit anderen Kunstformen. Gleichermaßen läuft hier die Entwicklung am schnellsten. In Corona-Zeiten machen sich viele Theater zum ersten mal wirkliche Gedanken zum Thema Digitalisierung. Die Musikindustrie war hiervon bereits in den 90er Jahren intensiv betroffen durch die Folgen der Entwicklung des mp3-Formats und illegaler Tauschbörsen im Internet. Durch diese schmerzhaften Erfahrungen hat man gelernt, Produkte effektiv selbst digital zu vermarkten. Mit ihren weltweiten Kino-Liveübertragungen feierte die Metropolitan Opera große Erfolge und große Konzertveranstalter bieten Live-Konzerte fürs Wohnzimmer.

Die Musikbranche war schon immer internetaffin, in den sozialen Medien finden sich heute zahlreiche Profis und Amateure mit Ideen und Produkten in einem breiten Qualitätsspektrum. Die Nähe der Musik zu Social Media hat ebenso eine lange Tradition. Erinnern Sie sich noch an eines der ersten großen sozialen Netzwerke? Myspace wurde ursprünglich als Profilseite für Bands gestartet, es wurde zum erfolgreichen Netzwerk für alle möglichen Trends und inzwischen schon längst von anderen Plattformen abgelöst. Wie kein anderer Kulturbereich spricht Musik oft eine junge Zielgruppe an, die eben diese Medien intensiv nutzt, aber auch Live-Erlebnisse (digital und analog) sucht.

Letztlich steht Musik natürlich nicht immer für sich selbst. Aufgabe eines Kulturmanagements ist es auch, diese in andere Kunstformen zu integrieren und einen Dialog mit anderen Künstlern zu ermöglichen. Ob dies nun in Ausstellungen, Installationen, Theaterstücken, Filmen, Klangkunstwerken, Onlinekunst, Hörspielen oder vielem anderen stattfindet. Musik ist fast immer dabei und wird mit Sicherheit noch sehr lange ein attraktives Beschäftigungsfeld bleiben.

Julius Pöhnert, Tutor der Deutschen Akademie für Management

 

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe „Werdegänge im Kulturmanagement“.

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Julius Pöhnert
Julius Pöhnert hat an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und an der Ball State University Muncie die Bereiche Film, Theater und Dramaturgie studiert und sein Studium als Diplom-Mediendramaturg abgeschlossen. Er hat an eigenen Regieprojekten gearbeitet und war zudem als Regieassistent, Abendspielleiter und Stage Manager für zahlreiche Musical- und Schauspielproduktionen tätig. Auf Kreuzfahrtschiffen war er fünf Jahre als Music Event Manager, Theater Manager und Entertainment Manager unterwegs und hat an Bord viele Formate mitgestaltet. An Land war er zudem für Schiffsproduktionen als Schauspielcoach engagiert. In Deutschland und Europa hat er Musical- und Konzerttourneen als Tourmanager geleitet, zuletzt die Tournee der „12 Tenors“ in der Saison 2019/20. Seit 2020 arbeitet er als Leiter Veranstaltungsstätten für die Hansestadt Uelzen an der Neugestaltung und Sanierung des Theaters an der Ilmenau und der Stadthalle. Als Kulturmanager sieht er sich als Schnittstelle zwischen Kunstschaffenden, den beteiligten Gewerken und den wirtschaftlichen Herausforderungen an private und öffentliche Kulturbetriebe. Kreative Ideen zu verwirklichen und zielorientiert Veranstaltungen umzusetzen sind Themen, die er immer wieder gern vermittelt und diskutiert.
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