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7. April 2016 | von

Symbolisches Management – unverzichtbar für Führungskräfte

Experimente und Studien zu den wirkungsvollsten Einflussquellen von Vorgesetzten zeigen, dass es heute nur noch eine Grundlage echter Autorität gibt: die Identifikationsmacht. Viele – vor allem aufstiegsorientierte – Arbeitnehmer projizieren ihre Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen auf den unmittelbaren Vorgesetzten. Sie identifizieren sich mit ihm und wollen sich zugleich in seinen Erfolgen spiegeln. Diese Erkenntnis ist gerade auch für die sog. Generation Y wichtig, von der es ja heißt, dass sie keine formalen Hierarchien mehr akzeptiert. Blanker Gehorsam ist out – einem persönlichen Vorbild folgt man hingegen. Aber wie wird man als Führungskraft zu einem Vorbild?

Dies gelingt vor allem durch geschickte symbolische Handlungen, die zugleich persönliche Tatkraft und Vertrauenswürdigkeit demonstrieren. Durch ein Symbol wird auf etwas anderes, „Größeres“ verwiesen (vgl. Weibler 1995); als spezifische Sinnbilder verdichten Symbole Bedeutungen – so wie eine Taube z.B. für Frieden und eine Rose für Liebe steht. Ein wichtiges Signal ist in dieser Hinsicht z.B. das Management by wandering around. Steve Jobs oder Bill Hewlett ließen sich regelmäßig in den Büros ihrer Mitarbeiter sehen – und demonstrierten auf diese Weise Aufmerksamkeit und Hinwendung zum einzelnen. Botschaft: Jeder wird gesehen und jeder ist wichtig. Auch der oberste Chef ist jederzeit ansprechbar und kommt seinen sozialen Pflichten nach.
Ein Unternehmen mag auf der formalen Ebene eine juristische Größe sein – als Sinn- und Wertegemeinschaft aber existiert es nur in den Köpfen der Unternehmensmit-glieder. Die Produktion und Aufrechterhaltung von Sinn ist mithin eine elementare Managementaufgabe – erfolgreiche Leader wissen das. So nutzen „volksnahe“ Politiker gern schöne Ereignisse (WM-Finale) oder auch dramatische Situationen (Naturkatastrophen) zur Demonstration emotionaler Anteilnahme. Auch hier wird Sinn über Symbole transportiert; man bedient sich ihrer, um eine bestimmte Botschaft zu senden.
Viele Ereignisse besitzen jedoch keinen Sinn „an sich“, sondern gewinnen erst durch ihre Interpretation Bedeutung. Symbole werden daher auch genutzt, um eine gemein-same Realität zu schaffen, einen common sense (vgl. insbes. Weick 1998). Denn es geht in sozialen Gemeinschaften nicht nur um objektiv richtiges Handeln, sondern auch um mentale Einmütigkeit. Zur Durchsetzung ihrer Ziele kontrollieren Manager deshalb die Deutungen, die ihre Mitarbeiter bestimmten Ereignissen oder Aktivitäten zuordnen. Ein Wettbewerber entwickelt z.B. gerade ein ähnliches Neuprodukt wie wir – das ist eine Herausforderung, keine Bedrohung! Ein Mitarbeiter wird zur Fortbildung geschickt – das ist kein Zeichen für Kompetenzdefizite, sondern beweist das Vertrauen, dass die Geschäftsleitung in seine zukünftige Karriere setzt!
Nicht selten werden symbolische Handlungen daher sogar als eigentlicher Kern des Managements begriffen: „Executives, after all, do not synthesize chemicals or operate lift trucks; they deal in symbols“ (Peters 1978, S.10). Bislang auf ihre rein sachliche Bedeutung reduzierte Managementhandlungen erhalten auf diese Weise zusätzlich eine emotionale Qualität. Leader müssen eben immer etwas tun, um Gefolgschaft zu sichern.

Prof. Dr. Dietrich von der Oelsnitz ist Autor des Studienbriefes 1340 Personalführung

 

Peters, T. (1978): Symbols, Patterns, and Settings: An Optimistic Case for Getting Things Done, in: Organizational Development, Vol. 2., S. 2-23.
Weibler, J. (1995): Symbolische Führung, in: Kieser, A. u.a. (Hrsg.): Handwörterbuch der Führung, 2. Aufl., Stuttgart, Sp. 2015-2026.
Weick, K. (1998): Der Prozess des Organisierens. 2. Aufl., Frankfurt a.M.

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