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25. August 2020 | von

#unternehmergeist | Lifehacks BWL, Folge 2

Von Entrepreneurinnen und Entrepreneuren können wir vor allem in stürmischen Zeiten etwas lernen. Sie lehren uns, mit Unsicherheiten souverän umzugehen. Doch was genau ist Entrepreneurship? Schauen wir uns den Begriff Entrepreneurship doch einmal etwas genauer an. In ihm steckt das Wort „neu“. Entrepreneurinnen und Entrepreneure erschaffen also neue Dinge. Dies können neue Produkte sein, neue Dienstleistungen, neue Prozesse, aber auch neue Arbeitsaufläufe oder neue Geschäftsmodelle. Und mit diesen Erneuerungen schaffen sie einen neuen Wert für einen bestimmten Markt beziehungsweise eine bestimmte Branche. Dafür gehen Entrepreneurinnen und Entrepreneure ein Risiko ein und nehmen Unsicherheiten in Kauf. Nun stellt sich die Frage: Kann man Entrepreneurship lernen? Die Antwort lautet: Ja, Entrepreneurship als unternehmerische Methode ist lernbar. Hierfür möchte ich mich mit Ihnen auf eine kurze unternehmerische Reise begeben. Stellen wir uns einmal vor, wir führen einen eigenen mittelständischen Betrieb in der Transportbranche.

Als erfahrene Unternehmerin oder erfahrener Unternehmer stellen wir uns zunächst die Frage nach den eigenen Mitteln, nach den ganz persönlichen eigenen Ressourcen. Wer bin ich? Was ist meine Identität? Was sind meine Bedürfnisse, was meine Präferenzen? Sowie auch: Was möchte ich? Und vor allem: Was möchte ich nicht?

Als nächstes müssen Sie sich fragen: Was kann ich? Oder vielleicht auch: Was weiß ich? Mit anderen Worten: Was sind meine Kompetenzen? Welche Fähigkeiten kann ich vorweisen? Welche Fertigkeiten besitze ich? Und wo habe ich vielleicht auch wertvolle Erfahrungen im beruflichen oder eventuell auch privaten Bereich?

Und die dritte Frage, die Sie sich stellen müssen, lautet: Was ist mein Netzwerk? Also welche Kontakte habe ich? Wen kenne ich, wer kennt mich?

Wenn Sie sich all diese Fragen beantwortet haben, kennen Sie Ihr ganz individuelles Inventar an persönlichen Mitteln. Nun folgt die wesentliche Frage, die Sie sich stellen müssen: Was will ich erreichen und wo möchte ich hin? Welche Ziele stellen Sie sich vor, die Sie mit diesen Mitteln erreichen können? Wenn nun diese Ziele wiederum auf ein spannendes Problem treffen, wofür Sie mit ihren gegebenen Mitteln neue Lösungen schaffen können, so verfügen Sie über ein hohes unternehmerisches Potenzial. Die Entrepreneurin oder der Entrepreneur überlegt nun, wie sie oder er dieses Potenzial unternehmerisch nutzen kann, indem sie oder er über einen bestimmten Zeitraum einen bestimmten Wert generiert. Man spricht dabei auch vom Wertversprechen (value proposition). Wesentlich ist für sie oder ihn dabei aber nicht das Maximum eines Gewinns oder eines Wachstums, sondern sie oder er konzentriert sich vielmehr auf das Handling möglicher Unsicherheit. Der Blick fällt also „downside“ auf den maximal möglichen Verlust, den sie oder er bereit ist, zu tragen. Anders formuliert: Die Entrepreneurin oder der Entrepreneur definiert die individuelle Verlustgrenze und führt auf deren Grundlage die Problemlösung in kleinen, erkundenden Schritten in den Markt ein, um diese sukzessive zu verfeinern und zu verbessern. Sie oder er erzeugt damit zusätzlich eine Marktskalierung durch Interaktion mit verschiedenen Stakeholdern entlang der Wertschöpfungskette immer auf der Suche nach Personen und Akteurinnen/Akteuren, die mit ihren jeweiligen Mitteln und Zielen bei der Problemlösung positiv mitwirken. Es entsteht „Co-Creation“. Die Entrepreneurin oder der Entrepreneur erreicht dabei in jedem Fall eine persönliche Zufriedenheit, da sie oder er eigene Dinge gestalten kann. Und je öfter sie oder er es versucht, sich mit ihren oder seinen Problemlösungen auf dem Markt zu etablieren, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie oder er damit erfolgreich sein wird. Eine Entrepreneurin oder ein Entrepreneur sagt also nicht die Zukunft voraus, sondern interagiert mit anderen Marktteilnehmenden und schafft damit eine unternehmerische Gesellschaft der Zukunft.

Literatur:

Grichnik, D.: Wissensbank: Was ist Entrepreneurship?, „From insight to impact“, Universität St.Gallen (HSG) 2015.

Dr. Marvin Hecht

 

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe „Lifehacks BWL“.

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