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ISSN-Nr. 2199-9430

Herausgegeben von der

Deutschen Akademie für Management

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Integrierte Sozialraumplanung

Städte und Gemeinden sind seit Jahren mit vielfältigen und auch neuen Herausforderungen konfrontiert, die sich auch in sozialen Problemen der Segregation, der Integration, der Betreuung, der aufsuchenden Hilfen und der adäquaten und zugleich flexiblen Planung von Diensten als Aufgabe der Sozialen Arbeit zeigen. Dies hat sich bereits seit Jahren in vielen Stadtteilentwicklungsprogrammen wie „Soziale Stadt“, BIWAQ oder JUSTIQ niedergeschlagen. Es zeigt sich aber auch in den sich immer stärker etablierenden Programmen „Kommunaler Armutsprävention.“ 

Darin stellen sich Fragen hinsichtlich einer vernetzten Angebotsstruktur in sozialen Räumen, in denen eine Zusammenarbeit aller Akteure gefordert ist. Dies ist nur möglich, wenn sich die bisherigen Formen der Sozialplanung neu aufstellen. Ein Modell hierfür stellt die „Integrierte Sozialraumplanung“ dar, über die es inzwischen eine intensiv geführte Auseinandersetzung gibt. Diese kann flexibel und zeitnah, aber auch langfristig, auf Herausforderungen und neue Fragen reagieren, indem sie alle Aspekte, die menschliche Lebenslagen abbilden, erfasst, plant und gestaltet und dabei als Seismograph aber auch als Konzeptentwickler dient. Hierzu müssen Akteure vernetzt werden.

Die Träger Sozialer Arbeit sind als „Erbringungsinstanz“ wesentliche Akteure und mitunter auch Moderatoren damit verbundener Prozesse, mitunter können (müssen) sogar Veränderungen vorhandener aber nicht mehr zeitgemäßer Planungsabläufe von ihnen ausgehen. Gerade die intime Kenntnis sozialer Lagen, die Erfahrungen aus der Koordination von Abläufen, der Moderation von Aushandlungen, der Kommunikation mit Betroffenen und der Organisation von adäquaten sowie sozialräumlichen Angeboten der Träger Sozialer Arbeit können darin von großer Relevanz sein. In der Folge soll dieses Modell kurz skizziert werden.

Das Modell will in der Kooperation mit Akteuren, Trägern und Einwohnern und Einwohnerinnen (bzw. deren legitimierten Vertretungen) ein tragfähiges Planungsmodell für Städte und Gemeinden bieten, welches sich im Zeitverlauf verändernde Situationen und Bedarfsstrukturen heterogener Bevölkerungsgruppen kleinräumiger, integrierter und damit lebenslagennäher abzubilden vermag um zu handeln.  „Integrierte Sozialraumplanung“ ist somit ein Planungs- und Partizipationsmodell, das

  1. verschiedene Fachplanungen bzw. deren Wissen und Daten in gemeinsamen Handlungsstrukturen zusammenführt;
  2. eine wesentliche Grundlage für eine zeitgemäße und bedarfsgerechte Sozial- und Stadtentwicklungspolitik schaffen kann;
  3. eine notwendige Verschränkung der in der Praxis häufig isoliert operierenden Felder der Sozialplanung und Stadtplanung herstellen will;
  4. auf beschleunigten Wandel durch Einbezug aller Akteure flexibel reagieren kann;
  5. unterschiedliche Entwicklungen und Bedarfslagen in den verschiedenen städtischen Räumen genauer verstehen und abzubilden vermag;
  6. Rahmenbedingungen für eine partizipative Praxis durch Einbezug der Bevölkerung realisieren kann.

Die Idee einer „Integrierten Sozialraumplanung“ geht, um eine zielgerichtete Stadtentwicklungspolitik umzusetzen, von einem „weiten Begriff des Sozialen“ aus, der sich an den Konzepten der „Lebenslage“, des „Guten Lebens“ und der „Lebensqualität“ festmachen lässt. Lebenslagen sind geprägt und beeinflusst von Sozialem, Kulturellem, der bebauten und der nicht bebauten Umwelt sowie vom Ökonomischen in vielfältigen Wechselwirkungen. Hieraus ergibt sich eine weite Definition von „sozial“. Vor diesem Hintergrund bedarf es einer Sozialplanung, die jene integrative Bedeutung von Lebenslagen und Räumen aufnimmt und somit notwendigerweise zu einer integrierten Sozialraumplanung und -gestaltung führt.

Eine „Integrierte Sozialraumplanung“ ist geeignet, Veränderungen in Struktur und Bedarfslage unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen frühzeitig und kleinräumig in verschiedenen Stadtteilen (Sozialräume) zu erkennen. Das Modell stellt somit eine wesentliche Voraussetzung dafür dar, neuen Herausforderungen gerecht zu werden. Es macht Moderationsprozesse erforderlich, die vielfältige Planungen und Aktivitäten, insbesondere auch von Trägern der Sozialen Arbeit, zu einem Ganzen zusammenbinden, sich an den Lebenslagen orientieren und Bewohner*innen von Stadtteilen sowie Betroffene in die Planung integrieren.

Vorteile die sich aus einer erfolgreichen Konzipierung und Implementierung ergeben könnten, finden sich v. a. in folgenden Bereichen:

Informationsmanagement: Mit der ausgebauten Einbeziehung „lokaler Akteure“ (v. a. Wohnungswirtschaft, Wohlfahrtsökonomie, bürgerschaftliche Organisationsformen, lokale Ökonomien etc.) kann das Wissen über sozialstrukturelle und auf Lebenslagen bezogene Veränderungen in den Sozialräumen verbessert werden und durch seinen Einbezug im Planungsprozess Impulse zu differenzierteren Planungen und Maßnahmen geben.

Einwohner- und Einwohnerinnenbindung: Eine moderne Stadtentwicklungspolitik muss von den Menschen ausgehen, da es um sie geht und nur sie wissen, was in ihren Lebenslagen „passiert“. Neben der Möglichkeit einer bedarfsgerechteren Versorgung der Wohnbevölkerung durch zielgenaue Programme, ergeben sich aus differenzierteren Planungen immer auch Hinweise für den Ausbau sogenannter weicher Standortfaktoren. Gerade in diesem Bereich können Einwohnerinnen und Einwohnern wichtige Argumente gegeben werden, die, jenseits von Erwerbsaspekten, ihre Entscheidung am Ort zu verbleiben, beeinflussen.

Prozesstransparenz: Durch den Ausbau vorhandener bzw. die Einrichtung neuer Kommunikations-, Austausch- und Verantwortlichkeitsstrukturen in allen Verwaltungsbereichen wird der Einsatz von Finanzmitteln transparenter und langfristig effektiver. Zum einen verhilft die integrierte Planung zu größerer Übersicht über die auf unterschiedlichen Ebenen mobilisierbaren Ressourcen. Zum anderen gestattet das erweiterte Monitoring, insbesondere durch den Einbezug der Sichtweisen und des Wissens lokaler Akteure, Maßnahmen hinsichtlich ihrer tatsächlichen und zu erwartenden Wirksamkeit besser einzuschätzen und diese ziel- und erfolgsorientierter auszurichten.

Kommunikation der Fachabteilungen: Durch den Vernetzungsprozess wird die Kommunikation zwischen den Fachabteilungen und Verwaltungsbereichen intensiviert und qualifiziert. Damit wird die Grundlage für einen stetigen und regelmäßigen, fach- und abteilungsübergreifenden Erfahrungsaustausch gelegt, ohne dabei die Entscheidungs-, Organisations- und Prozess-Autonomie der Fachabteilungen aufzuheben.

Vernetzung und Kommunikation von Trägern, Akteuren und Erbringungsinstanzen: Durch die Einführung von regelmäßig stattfindenden Planungs- und Sozialraumraumkonferenzen kann ein Element partizipativer Praxis aufgebaut werden, das Grundlagen für eine bessere Vernetzung, für einen sinnvollen Austausch und eine breite und an Aushandlung orientierte Kommunikation der verschiedenen Akteure ermöglicht.

Prof. Dr. Ronald Lutz (Studienbriefautor 8520 Internatioale Soziale Arbeit)

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