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ISSN 2199-9430

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Deutschen Akademie für Management

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Theater | Werdegänge im Kulturmanagement, Folge 2

Wie gestaltet sich Kulturmanagement am Theater?

Die deutsche Theater- und auch Orchesterlandschaft ist einzigartig. Ganz zu Recht ist sie eine Kandidatin für die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Über die Aufnahme soll in diesem Jahr, 2021, entschieden werden. Die UNESCO zählt hier: „140 Staats- und Stadttheater sowie Landesbühnen mit Orchestern und 130 Opern-, Symphonie-, Rundfunk- oder Kammerorchester und Kammerphilharmonien. Dazu kommen rund 220 private Theater, 100 Theater- und Symphonieorchester ohne feste Spielstätten, 2200 freie Spielstätten, Gruppen und Ensembles und rund 2500 Amateurtheaterbühnen.“

Allein dieses Erbe zu bewahren und zu gestalten kann die Aufgabe vieler Kulturmanagenden sein. Es gibt an dem, was wir umgangssprachlich Theater nennen eine Vielzahl an Sparten. Maßgeblich sind dies Schauspiel, Musiktheater, Tanztheater und Figurentheater – in einem klassischen Mehrspartenhaus oft alles unter einem Dach.

Unterteilen lassen sich diese Theater zudem noch in öffentliche Theater und in Privattheater, wobei sich die Privattheater auch wiederum in öffentlich geförderte Theater und in rein privatwirtschaftlich finanzierte Theater unterscheiden lassen.

Bei allen Theatern stellt sich natürlich die Frage: Wer managt eigentlich das Theater?

Die Kulturmanagerin oder den Kulturmanager selbst, gibt es am Theater nicht, das stellt auch der Deutsche Bühnenverein fest. Dennoch gibt es viele dem Kulturmanagement nahe Stellen in Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit und sogar im künstlerischen Bereich, die ich Ihnen an den folgenden Beispielen einmal vorstellen möchte.

An der Spitze eines Theaters steht im alten, traditionellen Modell die Intendanz. Hier laufen alle Stränge zusammen und das Haus wird sowohl künstlerisch, als auch administrativ und wirtschaftlich geleitet. In diesem Modell sind Vor- und Nachteile gleich auf den ersten Blick ersichtlich: Eine Intendanz kann vollumfänglich handeln und ein ganzheitliches Konzept auf allen Ebenen planen und durchsetzen. Das Modell ist allerdings auch stark autokratisch geprägt und eine Leitung zu finden die sowohl künstlerisch als auch organisatorisch und wirtschaftlich alle Kompetenzen in sich auf höchstem Niveau vereinigen kann – das ist nur schwerlich möglich.

Ein aktuelleres Modell ist die Aufteilung in künstlerische und kaufmännische Direktion, also in eine Doppelspitze mit künstlerischer Intendanz und Verwaltungsleitung. Ein drittes Modell wäre das Direktorenmodell, in dem jeder Sparte eine Direktion vorsteht – auch hier gibt es für die Direktionen immer noch ein breites Spektrum an Aufgaben.

Zudem sei gesagt: In der Geschichte der Theater gab es auch immer wieder partizipative Modelle, in denen beispielsweise das gesamte Ensemble das Theater gleichberechtigt geleitet und Entscheidungen getroffen hat. Diese Modelle sind dennoch immer wieder langfristig gescheitert. Vielleicht ist das Grundprinzip des Theaters hierfür schon zu hierarchisch, indem auch auf der kleinsten Ebene der Inszenierung schon die Regie vollumfänglich waltet und Schauspielerinnen und Gewerke nach ihren Vorstellungen leitet und formt.

Doch zurück zum Alltagsbetrieb im Theater, denn wer wird schon Intendant.

Im Theater gab es bereits Managerinnen und Manager, lange bevor diese Begriffe bei uns überhaupt verwendet wurden. Eine dieser Positionen ist die Dramaturgie – ein Berufsbild das man außerhalb des deutschsprachigen Raums kaum kennt. In der Dramaturgie werden Programmhefte erstellt, es wird Öffentlichkeitsarbeit betrieben, Dramaturgen geben den Gästen Stückeinführungen, sie halten Kontakte zu Regisseurinnen und Autorinnen und begleiten die Proben inhaltlich. Hier werden seit jeher klassische Kulturmanagement-Aufgaben mit künstlerischen Tätigkeiten ganz selbstverständlich kombiniert – ein sehr gut funktionierendes Erfolgsmodell.

Viele weitere operative Management-Aufgaben werden vom KBB, dem künstlerischen Betriebsbüro übernommen. Dort werden Verträge ausgestellt, Besetzungslisten organisiert, Gastspiele oder Tourneen geplant und Probenräume koordiniert.

Letztlich gibt es am Theater dann doch einen Manager, den Stage Manager. Hier handelt es sich um einen Begriff aus dem amerikanischen, der in Deutschland oft missverstanden wird.

In einer großen Show, wie einem Musical, koordiniert das Stage Management alle Abläufe auf und hinter der Bühne. Es werden alle Calls, also Bühnenanweisungen und Einsätze, für Licht, Ton, Orchester, Technik und Darsteller, gegeben. Vereinfacht gesagt laufen hier alle Vorgänge eines Theaterabends in Echtzeit zusammen und werden millisekundengenau getaktet - entweder nach Timecode oder nach dem Live-Orchester - mit Kulturmanagement hat das nur wenig zu tun.

In deutschen Stellenausschreibungen findet man inzwischen oft Ausschreibungen wie „Stage Manager Bereich Regie Schauspiel“ oder „Stage Manager Bereich Inspizienz“. Dahinter verbirgt sich dann die ganz klassische Regieassistenz oder die Inspizienz. Durch die Berufsbezeichnung als Stage Manager ist das Ziel ersichtlich, die umfangreichen Aufgabengebiete dieser Stellen anzuerkennen und wertzuschätzen, eine Entwicklung, die in Zukunft sicher noch spannend wird.

Auch für das Kulturmanagement im modernen Sinne wird es in dieser Zukunft am Theater neue Aufgaben geben. Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Sponsoring und große Theaterevents, die die klassische Theaterbühne verlassen, werden in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Neue Kooperationspartnerschaften zu gewinnen und neue Zuschauergruppen zu erschließen wird in den diesen Jahren auf jeden Fall die Aufgabe jeder Theaterleitung sein. Frische und gut fundierte Ideen dürfen hierbei natürlich nicht fehlen. Für das Kulturmanagement wird es hier viele Einsatzmöglichkeiten geben, ganz ähnlich wie in den Orchestern oder im Musikmanagement allgemein, auf das ich im nächsten Podcast eingehen werde. Bis bald!

 

Julius Pöhnert, Tutor der Deutschen Akademie für Management

Hier finden Sie alle Podcasts der Reihe Werdegänge im Kulturmanagement.

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