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ISSN-Nr. 2199-9430

Herausgegeben von der

Deutschen Akademie für Management

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Was zeichnet New Work aus

New Work, Folge 3

Als der Engländer James Hargreaves 1764 seine „Spinning Jenny“ anwirft, löst er damit die industrielle Revolution aus. Diese und weitere technische Innovationen führten dann zu einer massiven Veränderung der gesamten Gesellschaft: Maschinelle Serienproduktion, globaler Handel, Urbanisierung, Gewerkschaften, Frauenbewegung – all das waren Folgen, die wir noch bis heute spüren.

Disruptive Veränderungen werden meistens durch technologische Sprünge ausgelöst. Plötzlich gibt es eine Technologie oder mehrere, die Dinge möglich macht, die vorher einfach noch nicht gingen.

Heute stehen wir wieder an der Schwelle zur einer Revolution: der digitalen Revolution. Auch hier ist der Auslöser eine Technologie. Dieses Mal im Bereich der Digitalisierung.

Digitalisierung und daraus resultierende disruptive Veränderungen erlauben jetzt Dinge, die bisher einfach noch nicht möglich waren. Und darüber hinaus stellen gesellschaftliche Megatrends und der Generationenwandel unsere Arbeitswelt auf den Kopf.

Aber womit müssen wir rechnen? Was konkret zeichnet New Work aus?

Tempo: Besonders deutlich ist die hohe Geschwindigkeit, die typisch für die neue Arbeitswelt ist: Eine Veränderung jagt die andere. Projekte, Tagesgeschäft und sonstige Aktivitäten laufen parallel und in hoher Taktzahl. Möglich wird diese hohe Taktzahl durch den Einsatz verschiedener neuer Technologien.

Kundenfokus: In einer Arbeitswelt, in der sich die Rahmenbedingungen so schnell verändern wie eigentlich nie zuvor, ist es mehr denn je erforderlich, den Kunden in den Entwicklungsprozess mit einzubinden und sein permanentes Feedback abzuholen und zu nutzen, um sozusagen on-the-fly (im Entwicklungsprozess) Anpassungen vorzunehmen. Zu warten bis der Kunde das Produkt am Ende der Entwicklung und am Ende der Produktion abnimmt und evtl. erst dann zu merken, dass an seinen Bedürfnissen vorbei entwickelt wurde oder dass sich seine Bedürfnisse inzwischen verändert haben, wäre fatal. Iteratives Arbeiten – also Arbeiten in kurzen Schleifen – und häufiges Kundenfeedback werden die klassische Wasserfallplanung ersetzen, die wir aus der „Old Work“ kennen.

Iteration: In einer Arbeitswelt, in der es so sehr auf Schnelligkeit ankommt, wir das Ausprobieren und die zügige Anpassung immer wichtiger werden als eine Detailplanung im Vorfeld und dann auch eine plangemäße Umsetzung.

Teamarbeit, Selbstorganisation und Eigenverantwortung in diesen Teams sind Kernelemente des neuen Arbeitens. Dafür braucht es ein ausgeprägtes Maß an Vertrauen in die Fähigkeit und die Willigkeit der Mitarbeiter und ein völlig neues Verständnis von Führung. Die Führungskraft, die ihre Mitarbeiter durch Befehl und Kontrolle anleitet, hat ausgedient. Stattdessen ist der sogenannte Servant Leader gefragt. Also die dienende Führungskraft, die ihren Mitarbeitern Steine aus dem Weg räumt.

Virtualität und Konnektivität: Die Digitalisierung ermöglicht es, dass Arbeit räumlich und zeitlich viel flexibler stattfinden kann und wird. Aber trotz aller Vernetzung und Virtualität brauchen wir auch Orte, an denen wir physisch zusammenkommen können, um zusammen zu arbeiten, voneinander zu lernen, gemeinsam Ideen zu entwickeln. Dazu brauchen wir Büroräume, die hochgradig flexibel sind und Austausch und Vernetzung fördern.

Neue Kompetenzen: So schnell wie heute hat sich die Arbeitswelt noch nie verändert. Das erfordert von jedem Einzelnen von uns ein hohes Maß an Flexibilität, Offenheit für Neues, Veränderungsbereitschaft, Lernbereitschaft und Schnelligkeit. So klein wie jetzt war die Arbeitswelt auch noch nie. Neue Technologien machen es möglich, dass Arbeitskräfte und Kunden aus der ganzen Welt zusammenarbeiten. Das stellt enorm hohe Ansprüche an die Kommunikation – auf der einen Seite technisch, aber auch persönlich. Kommunikationskompetenz, emotionale Intelligenz und interkulturelle Kompetenz werden deshalb in ihrer Bedeutung immer mehr zunehmen.

Wertewandel: Neben vielen Veränderungen, die sich aus dem technologischen Wandel ergeben, verändert sich die Arbeitswelt aber auch aufgrund eines stattfindenden Wertewandels. Insbesondere Mitarbeiter der Generation Y und Z suchen in der Arbeit immer mehr nach Sinnhaftigkeit, Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und Spaß beim Arbeiten. Insbesondere in Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels stellen diese neuen Erwartungen hohe Anforderungen an Unternehmen.

Kulturwandel: New Work manifestiert sich zwar an vielen sichtbaren Veränderungen, wie z.B. Zusammensetzung von Teams, technische Ausstattung, Gestaltung von Arbeitsplätzen und Büros, flexible Arbeitszeiten und -orte. Auf der anderen Seite funktioniert New Work aber nur, wenn sich auch unter der Wasseroberfläche etwas verändert. Und damit steht New Work auch für einen tiefgreifenden Kulturwandel, der unser Verständnis von und unsere Erwartungen an Arbeit verändern wird.

Neue Werkzeuge: In einer Arbeitswelt, die von ständigem Wandel und hochgradiger Unsicherheit oder Unklarheit geprägt ist, funktionieren viele der uns vertrauten Werkzeuge oder Methoden nicht mehr gut genug. In den letzten Jahren sind deshalb andere Werkzeuge entstanden, die in der New Work einfach besser funktionieren. Dazu gehören z.B. Design Thinking, Lean Start-up, Scrum und Kanban.

Diese Werkzeuge werde ich Ihnen im nächsten Podcast vorstellen. Bleiben Sie also neugierig!

 

Daniela Behrendt, Tutorin der Deutschen Akademie für Management

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